Überraschungen

Die Siegerprojekte – Architekturpreis Der beste Umbau

Von der Ausschreibung unseres Architekturpreises Der beste Umbau bis zur Preisverleihung vergehen jeweils Monate. Wochen des Wartens, wie viele Projekte wohl von den Architekturbüros eingereicht werden – in diesem Jahr waren es 61 –, Stunden des Studiums und der Diskussion in der Jurysitzung und schliesslich das gespannte Erwarten der Auszählung von den Publikumsstimmen. Die Überraschung war gross, dass bei der neunten Austragung des Architekturpreises erstmals ein Wohnungsumbau den Jurypreis und damit den Goldenen Handschuh gewinnen konnte. Welches Architekturbüro die Fachjury unter dem Vorsitz von Elisabeth Boesch überzeugen konnte und welche weiteren Projekte ausgezeichnet wurden, erfahren Sie hier.

 

Jurypreis

Welche Bedeutung haben Zimmer in einem Ein-Personen-Haushalt? Braucht es Türen? camponovo baumgartner haben für eine Wohnung in Biel in einem Betonbau von 1973 eine ebenso unkonventionelle und überraschende wie schlüssige Antwort gefunden und konnten mit diesem Umbau die Fachjury überzeugen. «Mit diesem poetischen Beitrag ist dem jungen Team eine Architektur gelungen, in der die sinnlichen Aspekte besonders zum Tragen kommen», so die Jury.

Anstelle des konventionellen Grundrisses ist ein offenes Raumkontinuum getreten, das aus losen, abgerundeten Wandelementen besteht.

Geöltes Lärchenholz, roher Beton und Lehm bilden gleichzeitig einen spannungsreichen Kontrast und eine harmonische Einheit.

Die Wohnung befindet sich im zweiten Obergeschoss eines Betonbaus von 1973.

camponovo baumgartner mit dem Goldenen Handschuh für den Jurypreis: Karl Naraghi, Projektleitung, Marianne Baumgartner und Luca Camponovo.

Besondere Nennung

Atelier M Architekten überzeugen durch ihre engagierte, umsichtige Herangehensweise an Projekte nicht nur die Jury, die den Architekt*innen eine besondere Nennung verlieh. Das Architekturbüro fällt durch seine kreativen Nachhaltigkeitskonzepte und ein ganzheitliches Verständnis des Bauprozesses auf. Nach akribischer und analytischer Vorarbeit, genauen Messungen und Studien konnte ein unter Denkmalschutz stehendes Stadthaus von 1899 in Zürich Seebach unter Wahrung seiner historischen Substanz, seines Charakters und seiner Patina energetisch ertüchtigt und der Komfort gesteigert werden.

Ein Gneissockel und Fenstereinfassungen sowie Ziergesimse in Kunststein strukturieren die Sichtbacksteinfassade des Stadthauses.

Aus der Bauzeit erhaltene Terrazzoböden und filigrane Malereien bilden einen gepflegten Zugang zu den Wohnungen.

Neue Fenster tragen zur optimierten Gebäudedichte bei und lassen dank schlanker Profile viel Tageslicht in die Räume. Restaurierte Holzöfen stellen weiterhin die Beheizung sicher.

«Unsere Herangehensweise besteht darin, zu messen und zu simulieren, um herauszufinden, was wirklich Sinn macht.» Daniel Minder, Gründer von Atelier M Architekten.

Publikumspreis

Die Herzen des Publikums, das aus zehn durch die Fachjury nominierten Projekten auswählen konnte, eroberte ein Projekt von Althaus Architekten+. Diese haben in Bern einen denkmalgeschützten Wohnstock mit angrenzendem Ökonomieteil aus dem 19. Jahrhundert in ein Drei-Parteien-Haus umgebaut. Das Gebäude wurde durch diesen Eingriff zu einem Ort, in dem Gemeinschaft gelebt wird.

Das mächtige Gebäudeensemble thront auf einer natürlichen Anhöhe.

Die offene Tenndurchfahrt, typisch für Berner Bauernhäuser, dient heute der Erschliessung der drei Wohnungen.

Das erste Obergeschoss verfügt als Beletage über eine für die Bauzeit moderne Ausstattung mit Knietäfer und Gipsplafonds mit Stuckatur.

Der Ausbau im Ökonomieteil wurde als frei stehendes, gedämmtes Volumen in die bestehende Struktur eingefügt.

Althaus Architekten+ mit dem Silbernen Handschuh für den Publikumssieger (v.l.): Michael Zwygart, Monika Bangerter (Projektleitung), Ueli Krauss, Nicolaj Bechtel.

Titelbilder von Umbauen+Renovieren mit einem offenen Scheunentor, durch das Licht fällt

Mehr zu den Siegerprojekten, der Juryrierung und der Preisverleihung erfahren Sie in der Ausgabe 2/22 der Zeitschrift Umbauen+Renovieren.