Haltung zeigen

Porträt: Brandau Ciccardini

Das Ferienchalet diente früher als Getreidespeicher und war bereits mehrfach umgebaut worden. Wo möglich, wurde die alte Bausubstanz wieder freigelegt.

Eingefärbte Dreischichtplatten ersetzen das Flickwerk vergangener Sanierungen und korrespondieren mit den Farben umliegender Lärchenwälder.

Wer duscht, blickt durchs Schlafzimmer direkt ins Tal. Der Farb- und Materialmix aus Holz, Lehm und Zement verleiht dem Bad eine skulpturale Wirkung.

Restaurative Massnahmen vermieden die Architekten bewusst. Stattdessen inszenierten sie die neuen Eingriffe als Kontrast zum Bestand.

Die Luzerner Architekten Dani Ciccardini (links) und Dirk Brandau sehen ihr Metier auch als kulturelle und gesellschaftliche Verpflichtung an. 

Es war der Sprung ins kalte Wasser, als sich Dirk Brandau und Dani Ciccardini in Luzern als Atelier Brandau Ciccardini selbstständig machten. «Es passte einfach – da brauchten wir nicht ewig zu diskutieren», so Dani Ciccardini. Die Architekten hatten bereits unter Daniele Marques zusammengearbeitet, und als sich die beiden nach Jahren wieder trafen, spürten sie: jetzt oder nie. Einfach war die Situation nicht. In der Zentralschweiz gab es kaum offene Wettbewerbe; die wenigen wurden von Teilnehmern geradezu geflutet. Um dennoch am Markt bestehen zu können, spannen Brandau und Ciccardini ein Netzwerk von befreundeten Architekturbüros. Die Offenheit für Kollaborationen sehen sie nicht nur als Notwendigkeit, sondern auch als Ausdruck eines Kulturwandels im Architekturbetrieb.

Ihr erstes Projekt war der Umbau des hier gezeigten Ferienchalets in den Walliser Bergen. Der 150-jährige Bau hatte schon mehrere Eingriffe hinter sich. Äusserlich kaum sichtbar, herrschte im Inneren ein Flickwerk verschiedener Stile und Materialien. Statt Abstellraum und Garage sollten Wohnraum und ein Bad entstehen, die beiden Stockwerke durch eine Innentreppe verbunden werden. Brandau Ciccardini legten – wo möglich – die alte Bausubstanz frei, während sie auf restaurative Massnahmen verzichteten. Eingriffe sollen auch als solche wahrgenommen werden. Zum Einsatz kamen einfache und natürliche Materialien – das Chalet sollte nicht veredelt werden.

Den gesamten Artikel finden Sie in der Ausgabe 2/20 der Zeitschrift Umbauen+Renovieren.