Ungewöhnliche Chalets

Schweizer Architektur

Für viele ist das Chalet der Inbegriff von Geborgenheit. So kommt es auch nicht von ungefähr, dass sich daraus der «Chalet Chic» entwickelt hat, der seit Jahren boomt. Doch was genau ist eigentlich ein Chalet? Ursprünglich waren es simple hölzerne Senn- und Berghütten, die dem Schutz dienten. Heute wird der Begriff für alle Landhäuser verwendet, die im Schweizer Stil erbaut sind. Wir möchten Ihnen hier zwei eher ungewöhnliche Vertreter dieser Bauweise vorstellen. Einer davon steht mitten in Aarau, wo er Ende des 19. Jahrhunderts erbaut worden ist. in einer Zeit, in der der Schweizer Holzstil nicht nur hierzulande, sondern auch im Ausland aus der Mythologisierung des einfachen Lebens der Schweizer Bergbauern heraus en vogue war. RP Architekten haben das Haus von früheren Eingriffen befreit und konnten dabei viel von der alten Bausubstanz erhalten.

Neben dem schlichten Betonbau aus dem 21. Jahrhundert behauptet sich das Chalet selbstbewusst. Das Holzdekor wurde bei den Chalets üblicherweise nicht aus den konstruktiven Bauteilen herausgearbeitet. Die ausgesägten Bretter wurden an die Konstruktion genagelt oder geleimt.

Für eine Überraschung sorgte bei der ersten Begehung das Herrenzimmer, das an Wänden und Decke mit Mahagoniholz ausgekleidet und reich verziert ist.

Wie hier in der Wohnküche konnten die Doppelfenster, die noch mit dem originalen Bleiglas gefüllt sind, samt der Beschläge im ganzen Haus erhalten werden.

Das zweite Chalet steht zwar in einer Region, wo man es eher vermuten würde, nämlich im Kanton Waadt, aber es entspricht aufgrund seiner Bauzeit in den 1970er-Jahren auch nicht gerade dem typischen Bild. Der Architekt Patrick Winterhalter von KRE_architecture und seine Lebenspartnerin haben sich das Chalet Oscar zu einem ganz persönlichen Refugium umgebaut und zeigen, dass Alpen- und Chalet-Feeling auch anders geht.

Eingebunden in eine Siedlung aus den 1970er-Jahren steht das Chalet mit der Nummer 9. Winterlicher Zauber lässt Raum und Zeit stillstehen.

Das rote Leuchtobjekt vor dem Cheminée ist eine Erinnerung an den Vater des Architekten, dessen Vorname, Oscar, zugleich namensgebend für das Chalet war.

Durch das schräg Platzieren der Badewanne ist der Blick durch das Schlafzimmer bis hinaus an die Baumspitzen der Lärchenwälder frei.

Mehr Informationen zum Thema Umnutzung und zu den hier gezeigten Umbauten finden Sie in Ausgabe 1/20 der Zeitschrift Umbauen+Renovieren, die jetzt am Kiosk erhältlich ist.