Erforschen und entwerfen

Porträt: Architekt Oliver Christen

Oliver Christen betreibt sein Büro derzeit mit einem angestellten Architekten.

Woher kommen deine Ideen? Wovon lässt du dich inspirieren?
OLIVER CHRISTEN:
Die Ideen reifen bei mir im Dialog mit der Bauherrschaft, bei zahlreichen Begehungen vor Ort und in intensiver Auseinandersetzung mit dem Bestand und der Umgebung. Ich möchte für die Menschen einen geborgenen Raum schaffen, der ihre Bedürfnisse erfüllt, zugleich aber auch meine Ansicht von Architektur darstellt. Ich sehe mich als Architekt weniger als Dienstleister, sondern mehr als Autor.

 

Was ist dir bei deinen Projekten wichtig?
OC:
Ein ehrlicher Umgang mit dem Ort sowie das Weiterbauen mit ähnlichen, wenn möglich regionalen Materialien sind entscheidend, um Authentizität zu vermitteln und nicht zu bekleiden. Das Gefühl für Materialien halte ich beim Umbau wie auch beim Neubau für äusserst wichtig. Für ein gutes Ergebnis kommt es nicht nur auf den Architekten an, sondern auch auf eine funktionierende und befruchtende Zusammenarbeit mit Handwerkern und anderen Spezialisten. Durch gegenseitiges Verständnis und Präzision bei der Arbeit lassen sich Entwürfe genau so umsetzen, wie sie von mir angedacht waren.

 

Wann ist bei dir der Wunsch aufgekommen, Architekt zu werden?
OC:
Architektur hat mich schon immer interessiert. Während meiner Lehre als Hochbauzeichner hat dann für mich das Gestalterische mehr und mehr an Bedeutung gewonnen, sodass ich mich dann dazu entschieden habe, Architektur zu studieren.

 

Worin liegt für dich die Herausforderung beim Bauen und Umbauen?
OC:
Mich reizen Bauaufgaben, die einen hohen Anspruch an architektonische Qualität und gute Eingliederung in den Kontext haben. Das gilt für Neubauten ebenso wie für Umbauten.

www.oliverchristen.ch

Projekt Binder

Ein Dach, das auf wenigen Stützen aufliegt: Das pavillonartige Einfamilienhaus, das als reiner Holzbau ausgeführt wurde, liegt in der Ortsbildschutzzone der Gemeinde Tegerfelden. Entsprechend den historischen Bauten im Ortsbild kragt das Dach traufseitig klar über die Fassade aus.

Das Dach aus Kupfer ist die Krönung des rundum verglasten Hauses. Hangseitig scheint sich das Gebäude leicht ins Terrain zu schieben. Dieser Terrainversatz wird im Innenraum durch ein Sideboard über die ganze Gebäudelänge begleitet.

Im Inneren tritt das Dach naturbelassen in Erscheinung. Ein Kernbau, der die Nebenräume aufnimmt, zoniert das Wohnhaus. Durch Schiebetüren lässt sich der Innenraum optisch trennen.

Der Innenausbau aus Holz sorgt für Geborgenheit. «Das Fügen der Bauteile wird bewusst gezeigt, das Anordnen und die Orientierung der Fugen war zentral für den Entwurf. Während bekleidende Elemente und Einbauten mit horizontalen Fugen anschliessen, haben tragende Elemente vertikale Fugen», so Oliver Christen.

Das Dach stützt sich auf vier Stützenpaare, ausgefacht mit Andreaskreuzen, und in Längsrichtung jeweils einer ergänzenden Stütze auf.

Ob beim Kochen, beim gemütlichen Beisammensein oder im Badbereich: Von überall im Haus aus hat man einen uneingeschränkten Blick in den Garten.

Projekt Sagerberg

Beim Umbau einer ehemaligen Alpwirtschaft von 1753 wurden die strukturellen, baulichen Verunreinigungen entfernt, das Haus gegen Westen erweitert und die Entwicklungsschritte der fast 300-jährigen Baugeschichte wieder ablesbar gemacht.

Die Aussenwände wurden auf der Innenseite gedämmt und neu verkleidet, sodass die alten Fassaden unangetastet erscheinen.

Der Altbau und die Erweiterung gegen Westen werden mit einem gemeinsamen Dach zusammengefasst, das saniert und neu eingedeckt wurde.

Die ehemalige Alpwirtschaft befand sich vor dem Umbau in einem maroden Zustand.

Die Erweiterung des Gebäudes erfolgte im gleichen Gebäudequerschnitt.

Die kreisförmigen Ornamente an der neuen Holzfassade, die von einem jungen Schnitzer gefertigt wurden, sind eine subtile Anlehnung an die traditionellen Verzierungen von Urnerhäusern.

Die einstige Westfassade ist als Innenwand erhalten geblieben und wird aufgrund der Treppenposition zum zentralen Ort und Bindeglied zwischen Neu und Alt. Die tiefen Decken, die Brandmauer, die niedrigen Türstürze und die Schwellen waren zentrale Elemente, die in den Entwurf integriert und weiterentwickelt wurden.

Alt und Neu begegnen sich bei diesem Umbau auf Augenhöhe.

Massivholzdecken sorgen für eine Trennung zwischen den beiden Wohneinheiten, die heutigen Ansprüchen gerecht wird.

Im bestehenden Gebäude wurde der Strickbau freigelegt und gereinigt. Die Aussenwände wurden leicht nachgedämmt und eine neue Täferung, in Anlehnung an die bestehende, angebracht.

Die Präzision der Schreinerarbeiten zeigt sich in der neuen Täferstube ebenso wie …

… im Zusammenspiel von Alt und Neu …

… sowie in den Einbaumöbeln.

Projekt Business Center «1905» in Baden

Wenn ein Büroraum in ein Business Center mit Gastronomiebereich umgebaut werden soll, ist Kreativität gefragt. Einmal mehr hat Oliver Christen bei seinem jüngsten Projekt auf den Baustoff Holz gesetzt.

Ein hochwertiger Holzbau aus grün lasiertem Sperrholz begleitet den Nutzer durch den Raum.

Hinter der Holzwand führt eine Treppe auf eine zweite Nutzungsebene. Spielerische Leichtigkeit erhält die Konstruktion durch das eingestanzte Loch in der Trennwand.

Die Sperrholzkonstruktion schiebt sich über die bestehende Baustruktur. Sämtliche Bauteile, die berührt werden, sind durch Eichenholz veredelt.

Die verschiedenen Funktionsbereiche sind voneinander abgetrennt.

Die Tektonik der einzelnen architektonischen Elemente zueinander war ein zentraler Entwurfsaspekt. Der hölzerne Ausbau hat gleichzeitig die Funktionen als Bekleidung, als funktionaler Einbau und als Möbel.