10 Jahre Denkmalpflegepreis Bern

Auszeichnung

Der Stadtsaal im Kornhausforum Bern war bis auf den letzten Platz besetzt. Grund war ein Jubiläum – die Denkmalpflege des Kantons Bern hat zum 10. Mal den Denkmalpflegepreis verliehen, den sie seit 2010 jährlich an eine Bauherrschaft vergibt, die in Zusammenarbeit mit der Fachstelle ein Baudenkmal mit Alltagsnutzung sorgfältit restauriert und weiterentwickelt hat. Die Denkmalpflege des Kantons Bern nahm das Jubiläumsjahr 2019 zum Anlass, insgesamt fünf Jubiläumspreise zu vergeben. Diese gingen an Privatpersonen, private Institutionen oder Behörden, die mit ihrem besonderen oder lebenslangen Engagement für Baukultur dazu beitragen, «dass Baukultur nicht nur erhalten bleibt, sondern auch weiterentwickelt wird und von der Öffentlichkeit als wertvoller und bereichernder Bestandteil unserer gebauten Umwelt wahrgenommen wird», so Michael Gerber, Kantonaler Denkmalpfleger des Kantons Bern. Ein Blick auf die Jubiläumspreisträger vermittelt nicht nur einen spannenden Eindruck dieser aussergewöhnlichen Bauten und der Menschen, die die Gebäude erhalten haben, sondern auch über die Vielfalt unserer gebauten Umwelt.

Schloss Oberdiesbach entstand 1546 als Stammsitz der Herren von Diesbach als Nachfolgebau eines jahrhundertealten «Sässhauses». 1647 wurde es an die Familie von Wattenwyl verkauft, in deren Besitz das Schloss noch heute ist.

Die 11. und 12. Generation der Familie von Wattenwyl. Die heutigen Eigentümer Sigmund und Martine von Wattenwyl haben mit grossem persönlichen Aufwand die etappenweise Restaurierung der gesamten Schlossanlage realisiert. Sigmund von Wattenwyl bewirtschafet seit 1985 das zugehörige Landwirtschaftsland. 

Die Familie von Wattenwyl empfängt auf Anfrage Gruppen, um auf diese Weise ein Stück Kultur zu vermitteln. Im Sommer finden im Schlosspark Jazz- und Blueskonzerte statt. Unter anderem auch für ihre aussergewöhnlich aufgeschlossene Haltung gegenüber der Öffentlichkeit ging einer der Jubiläumspreise an die Schlossbesitzer. 

1906 gründete Robert Langel die Stempelteile-Fabrik in Courtelary; die Fabrik von 1917 steht nördlich von einer Herrschaftsvilla und bildet mit ihr ein typisches Ensemble, in dem gelebt und produziert wurde.

Seit 20 Jahren setzt sich die Besitzerin Liliane Wernli-Langel dafür ein, die Fabrik in funktionsfähigem Zustand zu erhalten. Für dieses Engagement überreicht ihr Hans Ulrich Glarner, Vorsteher des Amts für Kultur des Kantons Bern, den Denkmalpflegepreis. 

Der Fabrikbetrieb ist seit 1997 eingestellt, sämtliche Maschinen sind jedoch noch funktionstüchtig. Mit viel Herzblut stellt sich LIliane Wernli-Langel der Herausforderung, die der Erhalt ihres Erbes an sie stellt. Beispielsweise soll ein neues Projekt mit der Hochschule der Künste Bern (HKB) und den Tourismusverantwortlichen Theatervorstellungen in der Fabrik ins Leben rufen. 

Historische Bauten benötigen spezielle Pflege. Der Lehrgang «Handwerk in der Denkmalpflege» vermittelt Berufsleuten aus dem Baugewerbe das nötige Rüstzeug dazu. Er gewährleistet, dass das Wissen über traditionelle Werkzeuge und Materiaien erhalten bleibt und dass die damit verbundenen Techniken unter Berücksichtigung heutiger Vorschriften und Gewohnheiten angewendet werden.

Thomas Beer (links), Präsident des Trägervereins, und Reto Kradolfer (mitte), der ihm das Amt 2018 überbeben hatte, nehmen den Jubiläumspreis stellvertretend für all jene entgegen, die mit grossem Einsatz zur Lancierung des Lehrgangs «Handwerk in der Denkmalfplege» beigetragen haben. 

Eines der Hauptziel des Lehrgangs «Handwerk in der Denkmalpflege» ist es, interessierte Berufsleute für den Umgang mit schützenswerter Bausubstanz zu sensibilisieren und zu begeistern. Der berufsbegleitende Lehrgang umfasst acht Fachrichtungen: Holzbau, Mauerwerk/Verputz, Malerei, Stuck, Möbel/Innenausbau, Pflästerung/Trockenmauerwerk, Naturstein und Gartenbau.

Die «Rütimatt» in Gerzensee ist halb Jugenstilvilla und halb Bauernhaus. Die Anlage wurde 1903 bis 1906 errichtet. In den vergangenen 20 Jahren hat die Besitzerfamilie Tschannen umfangreiche Unterhalts- und Restaurierungsarbeiten unternommen. 

Mit Brigitte und Peter Tschannen bewohnt, bewirtschaftet und pflegt bereits die vierte Generation der Familie Tschannen den Hof. Für die Bewirtschaftung des Hofs holen sie sich teilzeitliche Hilfskräfte zur Unterstützung.

Vom Täfer über die Einbaumöbel, Öfen und Stuckdecken bis zu den Vorhängen mit den bunten Blumenmotiven ist die Einrichtung original erhalten. Anstatt das Gebäude ihren Bedürfnissen anzupassen, passte die Familie ihr Zusammenleben im Mehrgenerationenhaushalt stets von Neuem dem Gebäude an. 

In der Gemeinde Ligerz hat der Schutz der Landschaft und des architektonischen Erbes eine lange Tradition. Ohne das Engagement der Bevölkerung und ihrer Behörden wäre die kleine Gemeinde in den vergangenen Jahrzehnten von einer Bau- und Verkehrslawine erdrückt worden. 

Gemeindepräsident Markus Widmer, Gemeinderätin Marchiena Louis, Ortsplaner Walter Rey und die Vizepräsidentin des Betriebsvereins Aarbergerhus, Hedy Martin, (von links) als Repräsentanten der Bewohner der Gemeinde Ligerz. 

Die Bezeichnung als eines der schönsten Dörfer der Westschweiz hat sich der Ort nach wie vor verdient: Entlang der schmalen gepflästerten Gassen sind einfache Rebhäuser und Herbsthäuser nebeneinander.

Gruppenbild aller Jubiläumspreisträger: die Vertreter der Gemeinde Ligerz, Liliane Wernli-Langel, Besitzerin der Stempelteile-Fabrik in Courtelary, Martine und Sigmund von Wattenwyl, die Familie Tschannen sowie Thomas Beer und Reto Kradolfer, Handwerk in der Denkmalpflege (von links).

Mehr Informationen zu den fünf Jubiläumssiegern erhalten Sie bis am 8. Juni 2019 in der Ausstellung in der Galerie Kornhausforum, oder in der aktuellen Ausgabe (3/19) unserer Zeitschrift UMBAUEN+RENOVIEREN. Möchten Sie sich aber direkt vor Ort ein Bild der Siegerprojekte machen, haben Sie bei einer Besichtigung beim Führungszyklus der kantonalen Denkmalpflege die Gelegenheit, viele zusätzlichen Informationen aus erster Hand von den Eigentümerinnen und Eigentümern oder den Fachleuten zu erfahren. Den Start der kostenlosen Besichtigungsreihe macht am 8. Juni das Schloss Oberdiessbach.