Reiches Erbe

Denkmalpflege

Neulich kamen wir beim Abendessen mit Freunden auf das Thema Denkmalschutz zu sprechen. Einmal mehr wurde mir in diesem Gespräch bewusst, wie emotional das Thema angegangen wird, wie sehr es polarisiert, wie festgefahren die Meinungen sind und wie individuell die Wahrnehmung und Betrachtung von Architektur ist: Die Jugendstilvilla oder das Altstadthaus sind wertvoll! Der geschmacklose Betonklotz aus den 1960er-Jahren gehört aber abgerissen! Alles Geschmacksache? Was ist schützenswert? Wie viel Einfluss dürfen, sollen, müssen die Behörden nehmen? Die Denkmalpflege verunmöglicht sowieso eine sinnvolle Nutzung der alten Gebäude! Und andererseits: Was wären unsere Dörfer und Städte ohne die gewachsene Architektur!?! Ein Wort ergab das andere und eine Annäherung der Positionen war nicht auszumachen. Dabei ist das gegenseitige Verständnis wie so oft der Schlüssel zu einem guten Ergebnis, wie folgende Projekte zeigen.

spillmann echsle architekten haben einem denkmalgeschützten Mehrparteienhaus von 1902 zu neuem Glanz verholfen und es an die Bedürfnisse einer fünfköpfigen Familie angepasst.

In den letzten Jahrzehnten wurde nur wenig investiert und so zum Glück vieles der originalen Substanz nicht zerstört. Auch der historische Ofen im Esszimmer wurde restauriert und ist noch voll funktionstauglich. Farblich charakterisiert ein helles Lindgrün das Haus.

Der architektonische Haupteingriff beschränkt sich auf die Fläche eines Viertels des Grundrisses. Anstelle einer Küche und eines schmalen Badezimmers entstand strassenseitig eine neue Küche. Die Fliesen wurden aus der ursprünglichen Küche sorgfältig ausgebaut und wieder neu verlegt.

Unkonventionelle Lösungen und präzise Analysen waren die Schlüssel zur markanten Komfortsteigerung in diesem Stadthaus mit Baujahr 1899 in Zürich-Oerlikon, das von Atelier M Architekten renoviert worden ist. Ein Gneis-Sockel und Fenstereinfassungen sowie Ziergesimse in Kunststein strukturieren die Sichtbacksteinfassade.

Aus der Bauzeit erhaltene Terrazzoböden und filigrane Malereien bilden einen gepflegten Zugang zu den Wohnungen. Während 110 Jahren war das Mehrfamilienhaus nur minimal unterhalten worden, unter anderem gab es keine Zentralheizung.

Präzise Bedarfsrechnungen zeigten auf, dass auf den Einbau einer konventionellen Zentralheizung und der dazugehörigen Installation des Heisswasserverteilsystems zugunsten einer punktuellen Versorgung verzichtet werden konnte. Die restaurierten Holzöfen sind die Protagonisten des Hauses und stellen weiterhin die Beheizung sicher. Für extrem kalte Tage verfügen die Wohnungen zusätzlich über mobile Elektroradiatoren, die sich via gesteuerte Steckdosen einstellen, sobald die Raumtemperatur zu tief fällt.

Mit viel Sachverstand und noch mehr Herzblut hat Familie Kaufmann-Roggwiller gemeinsam mit Freunden und Handwerkern den ehemaligen Gasthof «Wilde Maa» in Sarmenstorf, der im 17. Jahrhundert erbaut worden ist, zu ihrem neuen Zuhause umgebaut. Als Bauberater der Kantonalen Denkmalpflege Aargau stand Jonas Kallenbach der Bauherrschaft mit Rat und Tat zur Seite.

Da das Gebäude in der Vergangenheit mehrfach umgebaut worden war, war im Inneren kaum noch relevante historische Substanz vorhanden. Eines der wenigen schützenswerten Elemente ist das Kellerportal aus Muschelkalk. Da auch die Statik zu wünschen übrig liess, wurde das Gebäude entkernt und im Inneren mit drei Wohnungen neu aufgebaut.

In der Wohnung im ersten Obergeschoss konnte im grossen Wohn- und Essbereich eine alte Riegelwand erhalten werden. Neue Elemente wie die Stahlstützen oder der Boden aus Hartbeton setzen sich deutlich von der alten Bausubstanz ab.

Die Privaträume der Wohnung im ersten Obergeschoss mit Arbeitszimmer, Schlafzimmer und Bad sind, als Raumkontinuum zusammengefasst, gegen Norden ausgerichtet. Mit den Riemenböden wurden alte Elemente aus dem Gebäude an neuer Stelle wiederverwendet. Die neuen Fensterbänke aus Eiche passen zum Charakter des Gebäudes.

Cover Umbauen+Renovieren 3/19

Mehr Informationen zum Thema Denkmalpflege und zu den hier gezeigten Umbauten finden Sie in Ausgabe 3/19 der Zeitschrift Umbauen+Renovieren.