Vom Wachposten zum Refugium am Fluss

Umbau in Spanien von Zurita Studio und Kalibra Arquitectura

Haus Stone and Water am Ufer des Guadiana mit Boot vor Uferlandschaft mit Bäumen und Schilf.

Vom ehemaligen Grenzposten der spanischen Guardia Civil am spanischen Ufer des Guadiana aus hielt man einst Ausschau nach Schmugglern.

Die Landschaft des Guadiana im Westen Andalusiens ist geprägt von sanften mediterranen Hügeln. Der breite Grenzfluss mäandriert ruhig dahin, auf der einen Seite liegt die spanische Gemeinde Sanlúcar de Guadiana, auf der anderen das portugiesische Alcoutim. Die Bevölkerung von Sanlúcar mit etwas mehr als 420 Einwohner:innen ist erstaunlich international. Dies rührt daher, dass die Ortschaft als erster geschützter Ankerplatz flussaufwärts vom Atlantik gilt. Der Binnenhafen hat das Dorf zu einem wiederkehrenden Ziel für Segler gemacht, die per Boot ankommen, lange bleiben und sich in vielen Fällen schliesslich dauerhaft niederlassen – ähnlich wie die Bauherrin Olga, die sich hier, nach mehreren temporären Aufenthalten auf Booten und bei Freunden, einen eigenen Zufluchtsort schaffen wollte.

Die Grundlage dafür fand sie in der Ruine eines ehemaligen Grenzpostens der spanischen Guardia Civil, der Ende des 19. Jahrhunderts an der Grenze zwischen Spanien und Portugal errichtet wurde, um den Schmuggel zwischen beiden Ländern zu überwachen. In Zusammenarbeit mit Zurita Studio und Kalibra Arquitectura entstand das Projekt «Stone and Water», bei dem das bestehende Bauvolumen mit wenigen gezielten Eingriffen ergänzt wurde, sodass die historische Bausubstanz weiterhin lesbar bleibt. Entstanden ist ein offener Wohn- und Rückzugsort, der sowohl den alleinigen Aufenthalt als auch das Zusammensein mit Gästen ermöglicht.

Die Terrasse öffnet sich zum Guadiana und bindet das Haus eng in die umgebende Flusslandschaft ein.

Das ursprünglich weiss gekalkte Mauerwerk und der neu angebrachte weisse Putz machen die Zeitschichten des Gebäudes sichtbar.

Ein Gefühl von Geborgenheit

Das Innere des Hauses ist als kontinuierliche Folge ohne Türen konzipiert, in der Privatheit durch die Wandstärke und -ausrichtung sowie die Orientierung der Ausblicke entsteht. Diese konzeptionelle Entscheidung erlaubt es dem Raum, gleichzeitig Intimität und Sicherheit, aber auch Flexibilität zwischen individuellem Wohnen und dem Empfang von Gästen zu bieten.

Für Olga, die allein auf dem Land lebt, ist das Gefühl von Schutz essenziell, und genau darauf ist das Haus ausgerichtet. Äusserlich neigt sich das Dach gegen das natürliche Gelände und schützt so die Privatsphäre des Hauses vom Erschliessungsweg her. Zum Fluss hin erhebt es sich und rahmt mit einer präzise gesetzten Öffnung den Blick auf das mäandrierende Gewässer. Auch seitlich befinden sich Fassadenöffnungen, die eine direkte Beziehung zur Umgebung schaffen und so Innen und Aussen zu einem Kontinuum verschmelzen lassen – so fliessend wie die Bewegung des Flusses selbst.

Innenraum von Stone and Water mit offener Galerie aus Holz, grossem Bücherregal, freigelegten Steinmauern und Blick durch die Tür auf die Terrasse.

Das Innere zeigt die einfache Materialisierung des Projekts: bestehendes Mauerwerk, Konstruktionen aus Kiefernholz und ein durchgehender Zementboden.

Innenraum von Stone and Water mit weiss verputzten Wänden, freigelegten Steinflächen, Holzdeckenbalken, Zementboden und einem farbigen Wandbild.

Der offene, zweigeschossige Raum bietet dennoch private Nischen und Ecken für den Rückzug.

Innenraum von Stone and Water mit freigelegten Steinwänden, Holztreppe, Zementboden und wiederverwendetem Schrank.

Wo möglich wurde bereits Vorgefundenes verwendet, wie zum Beispiel dieser alte Schrank.

Schlafzimmer von Stone and Water mit Blick durch eine große Öffnung auf den Guadiana.

Eine neue Öffnung rahmt den Blick zum Fluss und holt die Landschaft ins Innere.

Aus der Umgebung heraus

Aufgrund des begrenzten Budgets und der schwierigen Erschliessungsbedingungen wurde mit den vorhandenen Ressourcen ökonomisch umgegangen. Vieles bereits Vorhandene wurde an neuen Stellen wiederverwendet, so etwa der Ofen, ein alter, gefundener Schrank oder auch der Kamin. Dieselben Dachbalken wurden für die Treppe und Teile der Küche verwendet, dasselbe Bodenmaterial kam gleichzeitig für Arbeitsplatten, Duschen und Waschbecken zum Einsatz. Und die Veranda ist ein minimaler Rahmen, dessen schattenspendende Fläche je nach Jahreszeit und verfügbaren Materialien ausgetauscht werden kann.

Auch klimatisch reagiert der Bau auf seine Umwelt und kommt so ganz ohne Klimaanlage aus. Der zweigeschossige Raum begünstigt die vertikale Temperaturschichtung; die Steinwände und der Boden sorgen für thermische Masse; die Dachausrichtung vermeidet die Sonneneinstrahlung am späten Nachmittag und die Fassadenöffnungen gewährleisten Querlüftung. Zudem ist auf dem überdachten Parkplatz eine Photovoltaikanlage installiert, die das Haus mit eigener Energie versorgt.

Entstanden ist ein Bau, der nicht über den Ort hinweg entworfen wurde, sondern aus den Gegebenheiten heraus eine zeitgenössische südliche Architektur entstehen lässt.

zurita.studio, kalibraarquitectura.com

Vogelperspektive auf Stone and Water mit weißem Baukörper und geneigtem Dach in dicht bewachsener Hanglandschaft am Guadiana.

Die Vogelperspektive zeigt den kompakten Baukörper des Hauses, das sich in Hang und Vegetation am Guadiana einfügt.

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