Wenn Essen eine Gänsehaut bekommt

Solveiga Pakštaitė gewinnt die Emerging Design Medal in London

Porträt von Solveiga Pakštaitė in schwarzem Top und Senfgelber Jacke vor einem grossen Fenster.

Solveiga Pakštaitė wurde während dem London Design Festival 2026 mit der Emerging Design Medal ausgezeichnet

Stell dir vor, du stehst vor dem Kühlschrank und weisst nicht, ob der Joghurt noch gut ist. Das Datum sagt gestern abgelaufen, die Nase sagt «könnte noch gut sein». Und jetzt stell dir vor, du bist sehbehindert und kannst das Datum gar nicht erst lesen.

Genau hier fängt die Geschichte von Solveiga Pakštaitė an. Als Studentin für Industrial Design & Technology an der Brunel University London fragte sie sich, wie Menschen mit Sehbehinderung selbst erkennen können, ob Essen noch frisch ist. Ihre Antwort war «Bump»: ein Etikett, das glatt bleibt, solange alles in Ordnung ist, und holprig wird, sobald das Essen verdirbt. Anfassen allein gibt also jede Auskunft, die man braucht. 

Das war so klug, dass es gleich den James Dyson Award gewann. Und es war mehr als ein nettes Studienprojekt. Denn die Idee hilft nicht nur blinden Menschen, sondern auch allen anderen, die bisher vorsichtshalber wegwarfen, was eigentlich noch in Ordnung war. So wurde aus der Idee das Start-up Mimica, das sie zusammen mit Laurence Kayson und Lawrie Matthews gründete. Heute setzen grosse Lebensmittelhersteller und Händler auf die Technologie. 

 

«Bump» Sticker helfen zu erkennen, ob beispielsweise die Milch noch gut...

...oder der Lachs noch geniessbar ist.

Jüngst wurde Solveiga während des London Design Festivals 2026 mit der Emerging Design Medal ausgezeichnet. Der Preis geht an Menschen, die erst kürzlich die Designszene aufgemischt haben und deren Arbeit noch Grosses verspricht. Das Festival gibt es seit 2003, gegründet von Sir John Sorrell und Ben Evans. Es gehört mittlerweile zum festen Herbstprogramm der Stadt, gleich neben Fashion Week, Frieze und Filmfestival.

Dass sich Solveiga nicht in eine einzige Schublade stecken lässt, ist fast schon ihr Markenzeichen. Von Designforschung, über Trendvorhersage bis hin zu UX-Beratung hat Solveiga so einiges im Gepäck. Ihr jüngstes Projekt: das Schuhsystem Looplets. Die Idee: Ganz normale Schuhe von der Stange lassen sich so anpassen, dass sie stabiler sitzen, besser zugänglich sind und individueller aussehen. Das Design entstand in enger Zusammenarbeit mit Menschen mit Behinderungen sowie Ergoterapeut*innen und Ingenieur*innen. Auch hier ist der rote Faden klar: Gutes Design ist für Solveiga inklusiv und nachhaltig.

 

Mit Solveigas «Looplets» sitzt jeder Schuh. 

Einfach an dem gewünschten Modell angebracht, lassen sich Schleifen, Schnürbändel und weiteres für Stabilität und Individualität befestigen.

Bei der Preisverleihung während des London Design Festivals klang Solveiga bescheiden. Sie finde es wunderbar, wenn Arbeit gewürdigt werde, die die Welt ein kleines bisschen besser mache, sagte sie. Stolz sei sie auf das Bisherige, aber noch mehr freue sie sich auf die Herausforderungen, die kommen. Wir sind gespannt, was das sein wird.

@designbysol

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