Leben auf dem Mars?

Kollektion «Martian Relics» von Roc H Biel

Fünf Designobjekte aus Stampflehm und Edelstahl stehen auf einer felsigen, marsähnlich wirkenden Landschaft vor einem verhangenen Himmel.

Sind tatsächlich echt und nicht computergeneriert: die fünf Objekte der Kollektion «Martian Relics» von Londoner Designer Roc H Biel, in Szene gesetzt auf Lanzarote.

Wie würden unsere Alltagsgegenstände aussehen, wenn wir auf dem Mars lebten? Dieses Gedankenexperiment hat den in London ansässigen Industriedesigner Roc H Biel zu seinen neuesten Arbeiten inspiriert. Seine Objekte basieren oft auf der surrealen Logik von Renderings und werden nicht selten für CGI gehalten. Die Kollektion «Martian Relics» ist jedoch komplett physisch gefertigt: Sie besteht aus Stampflehm, einem der ältesten Baumaterialien der Menschheit.

Gerade solche Materialien wären auf dem Mars aufgrund knapper Ressourcen unvermeidlich, falls dort jemals menschliche Siedlungen entstehen sollten. Ergänzt werden sie durch Elemente aus recyceltem Edelstahl, gewonnen aus Ventilen, Druckbehältern und Zuschnittresten von Metallplatten. Diese erinnern an Raketen und Satelliten, die in Alltagsobjekte umgewandelt wurden. «In einer Zukunft auf dem Mars wäre Recycling weder Tugend noch Ästhetik», sagt Roc. «Es wäre der einzige Weg nach vorne.»

Faded Signal: Ovale, spiegelnde Scheibe mit rauem Stampflehmrand auf einer filigranen Edelstahlbasis, auf einer dunklen, vulkanisch wirkenden Oberfläche fotografiert.

«Faded Signal» ist ein Tischspiegel nach dem Vorbild von Tiefraumantennen, der eine absichtlich unscharfe Reflexion zurückgibt und damit eine auf Projektion beruhende Schönheitskultur hinterfragt.

Gravity Well: Stampflehm-Objekt auf einer dunklen, geröllartigen Oberfläche, mit einer runden Vertiefung und einer kleinen Metallkugel in der Mitte, getragen von einer reflektierenden Edelstahlkonstruktion.

«Gravity Well» ist ein Teller für Schlüssel und Kleinteile, der komplexe Raumphysik in Alltagswissen und -ästhetik übersetzt.

Die Kollektion ist keine verherrlichende oder sehnsuchtsvolle Vision des Lebens auf dem Mars. Im Gegenteil: Die Objekte kritisieren die erneute Zuspitzung des Wettlaufs ins All und die damit verbundene Sprache der Flucht: «Hinter der Mythologie, einen anderen Planeten zu besiedeln, verbirgt sich eine katastrophale Prämisse: dass die Erde entbehrlich ist, dass eine Kultur des Konsums statt der Regeneration ihrem eigenen Verfallsdatum davonlaufen kann», so Roc.

«Martian Relics ist kein Vorschlag dafür, wie man auf dem Mars leben soll. Es ist eine Warnung davor, wie wir hier leben.»  

Vielleicht gerade deshalb die Rückbesinnung auf die Erde als Material im Herstellungsprozess: Es sind die bislang komplexesten Formen, die aus Stampflehm realisiert wurden. Aus seiner Erfahrung im industriellen Formenbau entwickelte der Designer mehrteilige Schalungen aus bis zu zwölf Teilen. Anschliessend wurde das Material Schicht für Schicht unter Druck verdichtet, bis das jeweilige Objekt seine endgültige Form erhielt. Entstanden sind fünf Unikate von bis zu 22 Zentimetern Grösse, die trotz ihrer handwerklichen Materialität zugleich fremd und futuristisch wirken.

rochbiel.com

«Eroded Horizon» ist ein Fenster nach dem Vorbild von Jørn Utzons «Can Lis», das einen entsättigten, unerreichbaren Blick auf das Mittelmeer rahmt und Nostalgie für das Verlorene thematisiert.

«Last Offering» ist ein Blumentopf in Form eines Altars, gestaltet nach dem Vorbild eines Grabsteins, der Glauben als Reaktion auf das Bedürfnis nach einer wieder tragfähigen Umwelt denkt.

«Slow Water» ist ein mehrstufiger Wasserfilter in der Formensprache eines Satelliten, der Wasser als knappe Ressource und alltägliches Ritual zeigt.