
Das Buch «Wohnen – 33 Antworten auf die Wohnungsfrage» ist im September 2026 bei Edition DETAIL erschienen.
«Der Grundriss verrät, was eine Gesellschaft unter Wohnen versteht. Steigende Bodenpreise, der demografische Wandel, neue Lebensmodelle und die ökologische Transformation stellen Städte und Gemeinden weltweit vor strukturelle Herausforderungen und hinterlassen ihre Spuren im Plan: kleinere Flächen, neue Gemeinschaftszonen und andere Schnitte.» So beginnt die Einleitung des Buches «Wohnen – 33 Antworten auf die Wohnungsfrage», herausgegeben von Jeanette Kunsmann und Laura Traub, das diesen September bei Edition DETAIL erschienen ist.
Wie wir künftig wohnen werden, ist eine Frage, die derzeit viele beschäftigt. Begriffe wie Co-Living, Generationenwohnen oder Mikro-Apartments sind uns längst vertraut. Gerade im Vorfeld der kommenden Abstimmung wird in Zürich wieder intensiv über Hochhäuser diskutiert: Können sie zusätzlichen bezahlbaren Wohnraum schaffen, oder tragen sie vor allem zur weiteren Verteuerung des Wohnungsmarkts bei? Vor diesem Hintergrund ist eine Perspektive auf innovative Wohnarchitektur besonders interessant, die nicht nur theoretische Zukunftsvisionen zeigt, sondern bereits realisierte Projekte in den Blick nimmt.
Unterteilt ist die Publikation von Kunsmann und Traub in die drei Kategorien «Sozialer und gemeinschaftlicher Wohnungsbau», «Einfach bauen» sowie «Umbauen, Weiterbauen und Neubauen». Gezeigt werden 33 Projekte und Interviews mit Architektinnen und Architekten aus ganz Europa — von Portugal bis Bosnien und von Oslo bis Basel. Die Auswahl reicht von Sozialwohnungen und genossenschaftlichen Modellen über gemeinschaftlich geprägte Wohn- und Lebensformen bis hin zu experimentellen Strategien des kostengünstigen Bauens oder adaptiver Umnutzung. So entsteht ein Atlas möglicher Strategien für die zeitgenössische Wohnarchitektur.
Auch mehrere Gebäude in der Schweiz sind in der Publikation vertreten. Die Strohballenhäuser von Atelier Schmidt in Nänikon beispielsweise zeigen, dass sich ökologisches Bauen und Wirtschaftlichkeit vereinen lassen: Mit Stroh als nachwachsendem, kostengünstigem Dämmstoff entstand eine Wohnanlage, die Passivhausstandard erreicht und gleichzeitig das brach gefallene Areal eines ehemaligen Industriebetriebs zu einem kleinen, dörflich geprägten Wohnquartier transformiert. In Riehen bei Basel wiederum hat Studio Gugger den Bestand der Hirtenweg-Siedlung aus den 1950er-Jahren erneuert und ergänzt — als erstes realisiertes Projekt des kantonalen Wohnbauprogramms «1000+», das bis 2035 kostengünstigen Wohnraum für breite Bevölkerungsschichten schaffen soll. Die plastisch gestalteten, schwedenrot gestrichenen Holzfassaden schaffen eine Atmosphäre, die eher an einen skandinavischen Ferienort denken lässt als an geförderten Wohnungsbau.
Diese zwei Projekte sind nur ein Bruchteil des vielschichtigen Panoramas aus lokalen Antworten, übertragbaren Prinzipien und architektonischen Haltungen, die das Buch vorstellt – ein überzeugender Nachweis, dass Antworten auf die Wohnungsfrage längst im Entstehen sind.

