Too Hot!

Ausstellung im Deutschen Architekturmuseum (DAM)

Die Ausstellung «Too Hot – Heisse Städte, neue Wege» ist noch bis am 7. Februar 2027 im Deutschen Architekturmuseum (DAM) zu sehen.

Die Infrarotaufnahme des Einkaufszentrums Skyline Plaza in Frankfurt am Main verdeutlicht die Entstehung urbaner Hitzeinseln.

Letzte Nacht war wieder einmal eine Tropennacht. Obwohl wir in unserer gut belüftbaren Wohnung alle Fenster aufgesperrt hatten, wehte gefühlt kein Lüftchen. Das Thermometer auf meinem Wecker zeigte konstant 27 Grad und wollte auch nach Mitternacht nicht sinken – und das, obwohl wir nur im ersten Stock und nicht einmal mitten in der Stadt wohnen.

Gerade Städte werden durch den Klimawandel immer heisser. Sie sind oft zugleich Verursacher, Betroffene und zentrale Akteure des Wandels. Viele von ihnen wollen in den nächsten fünfzehn Jahren klimaneutral werden – doch was bedeutet das konkret für die Planung, die Architektur und das Leben in der Stadt? Dieser Frage widmet sich die Ausstellung «Too Hot» im Deutschen Architekturmuseum (DAM). Sie zeigt Beispiele aus dreizehn europäischen Städten verschiedener Klimazonen und veranschaulicht, wie diese mit gebauten Projekten, strategischer Planung und zivilgesellschaftlichen Initiativen auf die Klimakrise reagieren.

Kopenhagen zum Beispiel nutzt Parks und Plätze gezielt als Rückhalteräume für Starkregen. Wien erprobt derweil die gemeinsame Energie- und Kühlversorgung eines Gründerzeit-Wohnblocks. In Paris senken begrünte Dächer unter historischen Zinkdächern die Sommertemperaturen deutlich, während Barcelona die Temperatur in seinem dicht bebauten Stadtgefüge mit einem Netz begrünter Strassen und neuer Plätze reguliert.

Luftaufnahme eines umgestalteten Strassenkreuzes in Barcelona: Ein grosser, sternförmiger Platz mit hellen Kieswegen und dichten, grünen Beeten ersetzt den Asphalt, umgeben von Wohnhäusern.

Um die überhitzten Strassenräume des dicht bebauten Eixample-Quartiers zu kühlen, verwandelt Barcelona Verkehrsflächen in entsiegelte, bepflanzte Aufenthaltsorte.

Eine zur Fussgängerzone umgestaltete Pariser Strasse aus der Perspektive eines Passanten: Auf der linken Seite ersetzt ein langer Grünstreifen mit Stauden den ehemaligen Asphalt, im Vordergrund befindet sich ein buntes Schneckenmotiv auf dem Boden.

Auch Paris – eine der dichtesten Grossstädte Europas – setzt auf autofreie Strassen, die Wiederbegrünung von Asphaltflächen sowie die Anpassung und Begrünung der weitverbreiteten Zinkdächer.

Lokale Ressourcen nutzen

Nicht nur die grossen Metropolen Europas, sondern auch weniger bekannte urbane Zentren reagieren auf die steigende Hitze: Zum Beispiel Łódź, die viertgrösste Stadt Polens. Im 19. Jahrhundert wurden dort über 20 Wasserläufe für den Boom der Textilindustrie unter die Erde verlegt. Das verschärfte Sommerhitze, Überschwemmungs- und Dürrerisiken. Heute werden Flüsse wie die Sokołówka oder der Lamus schrittweise wieder freigelegt und dienen als natürliche Kühlachsen. Zudem schaffen 21 neue Waldparks Versickerungsflächen, während versiegelte Innenhöfe hunderter alter Fabrikareale in grüne Park- und Aufenthaltsräume verwandelt werden.

Während für viele Städte das Kühlen mit Klimaanlagen zunehmend Energie benötigt, ist im Norden immer noch das Heizen der grösste Energiefresser. Das finnische Lappeenranta hat seinen enormen Wärmebedarf jedoch konsequent auf lokale Ressourcen umgestellt. Ein zentrales Element ist das Biomassekraftwerk «Kaukaan Voima», das Holzreste aus der regionalen Forstwirtschaft sowie Abfälle aus der Papierherstellung nutzt. Die dort erzeugte Fernwärme wird direkt in das städtische Netz eingespeist, um Haushalte und öffentliche Gebäude ohne fossile Brennstoffe zu heizen.

Innenhof eines revitalisierten Industrieareals mit historischen Backsteinmauern und grossen Bogenfenstern, daneben moderne Stahlgänge und Holzbänke.

Die Revitalisierung der ehemaligen Scheibler-Fabrik in Łódź, entworfen vom Architekturbüro Medusa Group, verwandelt das Industrieareal aus dem 19. Jahrhundert in ein modernes, offenes Stadtviertel zum Wohnen, Arbeiten und Verweilen.

Vogelperspektive auf ein Biomassekraftwerk im verschneiten Lappeenranta, aus dessen Schornsteinen dichte Weissdampfwolken aufsteigen.

Aus dem Biomassekraftwerk «Kaukaan Voima» in Lappeenranta strömt Wärme in die Stadt: Durch den Einsatz von Holzresten aus der lokalen Forst- und Industriebranche konnten die Emissionen der städtischen Fernwärme etwa halbiert werden.

Aus der Gemeinschaft

Die Bürger der britischen Kleinstadt Totnes haben ihre Energieversorgung gleich selbst in die Hände genommen. Eine Genossenschaft finanzierte und baute eine Wasserkraftschnecke am Fluss Dart, der die Ortschaft durchquert. Der dort erzeugte Strom fliesst ohne Umwege über ein lokales Netz direkt in die Haushalte der Nachbarschaft. Totnes gilt als Wiege der weltweiten Transition-Town-Bewegung, die das Ziel verfolgt, Städte schrittweise unabhängig von fossilen Energien zu machen.

Auch ein Beispiel aus der Schweiz wird in der Ausstellung thematisiert: Das Wohnbauprojekt «Huebergass» in Bern zeigt, wie Klimaanpassung und nachbarschaftliches Zusammenleben ineinandergreifen. Die zentral angelegte Gasse dient nicht nur als verbindende Achse der Siedlung, sondern ist zugleich bepflanzter, schattiger Aufenthaltsbereich und sozialer Treffpunkt für die Bewohnerinnen und Bewohner. Durch die gezielte Bepflanzung und Reduzierung versiegelter Flächen wurde das Mikroklima im Quartier spürbar abgekühlt.

dam-online.de

In Kopenhagen zeigt das Klimaquartier Østerbro, wie Regenwasser sichtbar in Strassenräumen, Plätzen und Innenhöfen gesammelt und genutzt werden kann.

Statt unsichtbar in Kanäle zu fliessen, sammelt es sich in Senken, Beeten und offenen Regenwasserseen, versickert langsam und dient zur Bewässerung von Grünflächen.

Grün- und Oberflächenmassnahmen allein reichen aber nicht, um Kopenhagen vor extremem Regen zu schützen. Das städtische Versorgungsunternehmen baut deshalb ein Netz aus unterirdischen Tunneln, die die Kanalisation bei Starkregen entlasten und das Wasser Richtung Hafen ableiten.

Auch Wohnhäuser nutzen den Regen: Im Sankt-Kjelds-Quartier fängt ein gemeinsamer Innenhof von dreizehn Gebäuden das Regenwasser auf und leitet es als Grauwasser für Toiletten und Waschmaschinen zurück in die Wohnungen.