
Etwas abseits der Zürcher Bahnhofstrasse, am Talacker 41, liegt «La Garçonne»: ein ursprünglich als Pop-up gedachter Accessoire-Store, der so gut ankam, dass er zum dauerhaften Standort geworden ist.
Es gibt gewisse Geschäfte, die man irgendwo auf der Welt betreten kann – und man weiss sofort, in welchem Laden man steht. Genau solch ein Konzept suchte auch die NOWAY AG, ein Schweizer Unternehmen mit Wurzeln in der Zürcher Skating-Szene der 1990er-Jahre, das heute landesweit präsent ist. Gefragt war ein Raumkonzept, das über unterschiedliche Standorte hinweg funktioniert, skalierbar und flexibel einsetzbar ist. Für den Pop-up-Store «La Garçonne» in Zürich entwickelte die Architektin Naomi Hajnos deshalb ein modulares Gefüge aus eigenständigen Objekten, die sich mühelos auf- und abbauen, verschieben und neu arrangieren lassen.

Zeitlose Designikonen sind im ganzen Raum platziert, so etwa die wolkenartigen «Passiflora»-Leuchten von Poltronova im Schaufenster.

Max Bill Hocker bieten eine Sitzgelegenheit für die Schuhanprobe, bewundern kann man sich im rosafarbenen Wellenspiegel von Ettore Sottsass.
Neutrale Kulisse
Der Grundton des Ladens ist in schlichtem Weiss gehalten – das schafft optische Weite und lässt den farbenfrohen Kollektionen den Vortritt. Statt auf massive Wände setzt Hajnos auf ein luftiges System aus Streckmetallpaneelen. Diese flexiblen Trennwände lassen sich jederzeit neu konfigurieren und erlauben zugleich subtile Einblicke: Durch die Gitterstruktur schimmert das dahinterliegende Schuhlager diffus hindurch, was dem Raum zusätzliche Tiefe verleiht. So wird das Funktionale selbst Teil der Inszenierung.
Vor diesem neutralen Hintergrund fungiert das Mobiliar nicht nur als Warenträger, sondern als bewusstes Statement. Gezielt platzierte Design-Ikonen des letzten Jahrhunderts verleihen dem Store seine unverwechselbare Identität. Das Schöne daran: Sollten die Objekte im Laden einmal nicht mehr gebraucht werden, verlieren sie nichts von ihrem kulturellen oder ökonomischen Wert. Sie können problemlos in den privaten Wohnbereich weiterwandern oder auf dem Zweitmarkt ein neues Zuhause finden – ein Gegenentwurf zur gängigen Wegwerfmentalität im Retail, der die nachhaltige Haltung des Projekts unterstreicht.
Ergänzt wird dieses Grundgerüst durch Elemente, die spezifisch auf die Anforderungen eines Accessoire-Shops reagieren. Da sind etwa die massgeschneiderten Regale aus leuchtblauem Plexiglas, die sich in jeder gewünschten Höhe an den Metallpaneelen einhängen lassen. Zwei markante Cubes aus plastifiziertem Styropor vervollständigen das Ensemble: Trotz ihrer massiven Präsenz sind sie federleicht und lassen sich in drei Schichten zerlegen – mal als kompakter Block, mal als gestufte Podestlandschaft. Selbst die gestreifte Verkaufstheke bleibt dank Rollen beweglich und kann je nach Situation neu im Raum positioniert werden.
Beweglichkeit mit Bestand
Ursprünglich als Pop-up-Konzept geplant, war der Entwurf so erfolgreich, dass er sich zur dauerhaften Institution entwickelte. Gerade darin zeigt sich seine Qualität: Naomi Hajnos hat keine starre Architektur entworfen, sondern eine räumliche Antwort formuliert, die von Modularität, Mobilität und der bewussten Reduktion auf das Wesentliche lebt. In einer Branche, die oft mit hohem Materialverschleiss gegen die Kurzlebigkeit ankämpft, wirkt dieser Ansatz schon fast wie eine zeitgemässe Selbstverständlichkeit.

Tiefenwirkung: Hinter den Paneelen aus Streckmetall zeichnen sich die Schuhkartons ab – davor sorgt der ikonische Rietveld-Stuhl für einen skulpturalen Farbtupfer.

