Im Liebesnest der Götter

Griechenland: Kreta

Rund um das Haus gibt es Plätze zum Verweilen. Den Höhepunkt bildet eine Plattform, die sich über die Hangkante schiebt.

Und wieder einmal hat sich der liebestolle Zeus verliebt. Europa hiess die Auserwählte. Um seine Göttergattin Hera nicht zu verärgern, musste er einen Weg finden, wie er die phönizische Königstochter ungestört bezirzen konnte. In Gestalt eines Stiers schwamm er mit der jungen und ahnungslosen Schönheit zur fernen Insel Kreta. Was vor langer Zeit wirklich passierte, ist heute Legende. Eines ist sicher, wer Kreta bereisen will, taucht immer auch tief in die Mythologie und Geschichte Europas ein. Die grösste Insel Griechenlands, auf der Minoer, Griechen, Römer, Byzantiner und Venezianer ihre beeindruckenden Spuren hinterlassen haben, ist aber nicht nur ein Paradies für Hobby-Archäologen und Geschichtsliebhaber, Kreta ist schlicht eine Perle – landschaftlich ungemein vielfältig – umgarnt vom leuchtend blauen Mittelmeer.

Vom offenen Wohnbereich ist der Blick über den Pool und das Meer schlicht atemberaubend.

Eine Pergola mit Stahlkonstruktion und Holzbedeckung ist dem länglichen Baukörper vorgelagert.

Inmitten dieser urtümlichen Landschaft, herrlich gelegen an der felsigen Küste des Kap Koutoulos im Westen von Kreta, haben Ismene ­Papaspiliopoulou und Nikos Lykoudis einen Bauplatz der besonderen Art vorgefunden. Kreiert haben sie ein modern gestaltetes Haus, das selbstbewusst seinen Platz in der felsigen Umgebung des Kaps einnimmt, sich aber trotzdem leise und so auf überzeugend natürliche Weise in die Umgebung fügt. Natur und Architektur treten in ein inspirierendes Zwiegespräch. Geschützt vor den teilweise kräftigen Winden aus Norden und Westen haben ­Ismene und Nikos, die in Athen unter dem Namen Paly Architekten gemeinsam ein Studio führen, den länglichen Baukörper knapp unterhalb des Bergkamms in die raue Landschaft gesetzt. Eine robuste, L-förmige Steinmauer führt die Felsformation des Kaps scheinbar natürlich weiter. Dieses eingeschossige, steinerne Bauelement bildet einerseits den schützenden Rücken des Hauses und definiert andererseits die Räumlichkeiten zur Aussicht hin.

Alle vier Schlafzimmer, jedes mit eigenem Bad, haben einen direkten Zugang zur Pergola. Materialisierung und Möblierung sind wohltuend schlicht.

Wie auf einer Perlenschnur reihen sich die vier Schlafräume, jeder mit einem Bad, und der offene Wohn-, Ess- und Kochbereich aneinander. Von jedem Raum hat man einen direkten Zugang zur gedeckten Veranda. Die grosszügige Wohnzone ist gegen Süden mit einer deckenhohen Verglasung ausgestattet. Diese lässt sich in der warmen Jahreszeit vollständig öffnen. Die Grenzen zwischen innen und aussen verwischen. Im Winter können die Bewohner diese gläserne Schicht schliessen, geniessen so geschützt an der Wärme die Ruhe des Ortes und erleben trotzdem die unterschiedlichsten Kräfte des Wetters und der Natur hautnah mit. Egal, wo man sich im und ums Haus aufhält, der Blick hinunter zum Keramonti Beach und über die Bucht in die Weite des westkretischen Meeres ist grenzenlos – einfach nur atemberaubend. Ein länglicher Pool, in Beton gefasst, ist diesem offenen Raumgefüge vorgelagert und bildet den Abschluss zur bis zum Meeresufer steil abfallenden Umgebung. Die Wasserkante ist so ausgeführt, dass der Horizont auf den ersten Blick das Ende des Schwimmbeckens bildet – die Wasseroberfläche des Pools und des Meeres verschmelzen scheinbar.

Die filigran gestaltete Metallkonstruktion der ausladenden Pergola steht in wohltuendem Kontrast zum massiven, eingeschossigen Baukörper der Schlaf- und Wohnräume.

Den gesamten Artikel mit weiteren Fotos finden Sie in der Juli / August Ausgabe von Das Ideale Heim.