Sizilien musst du verstehen

Reisen

Sizilien, habt ihr mir am ersten Abend gesagt, Sizilien musst du verstehen – und dass dieser Ort eine besondere Architektur verdiene. Wir sassen auf der Terrasse, der Ätna zeichnete sich in der Ferne deutlich ab, zu seinen Füs­sen die Lichter Catanias und weiter östlich das Meer. Das Wasser im Pool war still, und auch die Zikaden verabschiedeten sich langsam in die Nacht. Das Rot am Himmel und in unseren Gläsern schwindet, als ihr mir die Geschichte von U Mari erzählt, diesem Ort der Ruhe und Entspannung und Gelassenheit, den ihr schaffen wolltet, den ihr geschaffen habt – ich merke das schon an diesem ersten Abend, und es wirkt bis jetzt nach, wo ich diese Zeilen schreibe. Ein Zufall sei es gewesen, dass ihr zusammen mit den Architekten Mario Cottone und Gregorio Indelicato dieses Fleckchen Erde zwischen dem Bergmassiv von Cassibile und den Küstenlinien von Noto, Avola und Siracusa gefunden habet.

Weg, der zum Bungalow führt. Rechts und links Staudengewächse auf einem spröden braunen Erdboden.

U Mari: Die Ferienvilla bietet Platz für bis zu acht Personen. Vier Schlafzimmer mit Ausblick und eigenem Bad sowie eine offene Wohnküche mit grosszügiger TV-Ecke schaffen einen perfekten Rückzugsort mit Freiheitsgefühl und Privatsphäre.

Zuerst musstet ihr euch einen Weg bahnen durch die Wildpflanzen, die stacheligen Büsche und knorrigen Carrubo-Bäume, um an den Rand des Hochplateaus zu gelangen und die Weite und die Schönheit dieses Ortes zu erfassen. Aus der Region und aus dem Land ergebe sich erst die Architektur – diesen Satz habe ich in die erste Nacht mitgenommen, in mein Terrassenzimmer, in dem nichts weiter stand als ein Bett, bezogen mit Leinen, für euch der Inberiff des Südens. Keine Schrankmöbel, keine Regale, fast keine Dekoration. Stattdessen beleuchtete Nischen und ein Bild gemalt von Eugène Ionesco. Ich dachte immer, er habe nur geschrieben. Meine Hände streicheln über die kühle, braun gestrichene Wand, meine nackten Füsse gleiten über den Boden; es ist der gleiche wie im Aussenbereich, ein Zementgemisch, angereichert mit Steinchen aus der Region. 

Geerdet: Wand, Decke und Küche sind im selben Braunton gehalten, das Mobiliar ist puristisch, mit Klassikern wirds cosy. Der Blick? In die Ferne …

Innen und aussen verbunden: In der geschützten Lounge gibt es eine Küche mit weiträumigem Essplatz. Der Tisch ist eine Sonderanfertigung aus Pietra di Modica.

Doch während der Boden auf der Terrasse und um den Pool ursprünglich lebendig bleibt, wurde er in den Innenräumen fast glatt geschliffen. Fast. Denn es gehe nicht um Perfektion, das war euch wichtig. Vielmehr sollte die minimalistische Architektur Struktur haben, eine aus­sergewöhnliche Materialität, die auch zur Landschaft passt. Dieser Ort hier habe eine besondere Architektur verdient. Da ist er wieder dieser Satz, der sich wie ein roter Faden durch eure Planung gezogen hat, der sich in einem rechteckigen, ebenerdigen Kubus mit einer Hülle aus beweglichem Cortenstahl manifestiert hat, der mich vier Tage begleitet hat und nun Wurzeln schlägt. Drinnen ist es angenehm kühl. Die Sonnenkollektoren auf dem Dach produzieren den Strom, der das Haus ganzjährig bewohnbar macht. Denn die Winter in Sizilien seien frisch, vor allem nachts, deshalb gebe es auch eine Bodenheizung. Ihr beide lacht, ihr kennt das Land. Wer es noch nicht kennt, findet in der Villa U Mari die perfekte Unterkunft, um es kennenzulernen. Schade nur, dass man euch nicht mit dazumieten kann …

Schlafzimmer mit Blick auf eine Loggia und weiter zum Meer.

Stilvoll mediterran: Dem Schlafzimmer verleihen weich fallende Vorhänge und Leinenbettwäsche eine gemütliche Note.     

Während ich das hier schreibe, tropft Olivenöl auf meine Tastatur. Ich sitze in meiner Küche, esse das letzte Stück Brot von Signora Maria. Wir haben es am Tag meiner Rückreise noch bei ihr auf dem nahegelegene Hof gekauft. Ich werde wiederkommen an diesen Ort, der eine besondere Architektur verdient und von euch bekommen hat.

Un abbraccio

Katrin

 

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