
Mit der Cloud #07156 verhüllt Fujiko Nakaya momentan die Bourse de Commerce in Paris.
Man betritt die Rotunde der Bourse de Commerce in Paris und sieht: nichts. Oder genauer gesagt: weissen Nebel. Dichte, kühl-feuchte Luft, die sich um die Beine legt, die Sicht vernebelt und Tadao Andos berühmten Betonzylinder einfach mal verschwinden lässt.
Die Künstlerin dahinter heisst Fujiko Nakaya. Die 1933 in Sapporo, Japan geborene Nakaya ist bekannt für ihre sogenannten «Fog Sculptures». Ihre erste schuf sie für den Pepsi-Pavillon an der Expo '70 in Osaka, seither hat sie Nebelinstallationen auf der ganzen Welt gezeigt: in Parks, Museen, auf Plätzen. Das Prinzip ist technisch, das Ergebnis schlicht verblüffend: Hochdruckpumpen und speziell entwickelte Düsen zerstäuben Wasser zu winzigen Tröpfchen, 20 bis 30 Mikrometer klein, genauso gross wie natürlicher Nebel. Was entsteht, ist eine Skulptur ohne feste Form, die sich konstant verändert – als Reaktion auf Luftströmungen, Temperatur, Feuchtigkeit und Besucher, die sich durch den Raum bewegen.
Genau so auch bei Cloud #07156 — so heisst die aktuelle Arbeit in Paris. Der Nebel zieht sich zusammen, lichtet sich, verändert sich mit jedem Schritt. Silhouetten tauchen auf, verschwinden wieder. Die Rotunde selbst wird mal verhüllt, mal wieder sichtbar — oder zumindest in Fragmenten. Nakaya sagt, Nebel mache Leere sichtbar, und genau das beweist die aktuelle Ausstellung.
Der Titel ist übrigens kein Zufall: 07156 ist der Code der nächstgelegenen Wetterstation. Die Wolke drinnen ist also direkt mit dem Wetter draussen verbunden — konzeptuell zumindest.
Cloud #07156 läuft noch bis zum 14. September als Teil der Ausstellung Clair-obscur, kuratiert von Emma Lavigne. Wer also diesen Sommer nach Paris fährt: unbedingt hingehen.
Bourse de Commerce, Pinault Collection, 2 Rue de Viarmes, 75001 Paris.
Bis 14. September 2026.
