
Ein Blick in das «Sound House» im Erdgeschoss: Audiodesigner Devon Turnbull schafft eine meditative Umgebung, in der Architektur und Akustik zur Einheit verschmelzen.
Er ist unsichtbar, ungreifbar und doch bestimmt er die Atmosphäre eines Ortes so unweigerlich wie Boden, Wände oder Licht: der Klang. Er erweckt einen Raum zum Leben, er berührt uns auf unmittelbare Weise und bleibt dennoch oft im Hintergrund. Genau diesem flüchtigen Phänomen widmet sich aktuell eine Ausstellung in Tokio: Unter dem Titel «Klang des Zwischenraums – Zwischen Raum und Klang» präsentieren OJAS Tokyo – ein Projekt, hinter dem der Audiodesigner Devon Turnbull steht – und Karimoku Furniture einen Parcours durch Hörsituationen, Möbel und Lautsprecher, der den schwingenden Zwischenraum auf immersive Weise erlebbar macht.

Im «Sound House» nehmen Besucher:innen auf den bereitgestellten Sitzmöbeln Platz und tauchen in die vielschichtige, tief meditative Welt ein, die Devon Turnbull mit seiner Klangkunst schafft.

Im Zentrum steht ein Plattenspieler, daneben befindet sich ein einzelnes Paar der mittelgrossen Lautsprecher «Rokujo», die gemeinsam mit Karimoku Furniture entwickelt wurden.
Bedeutungsvolle Leere
Der Titel der Ausstellung ist eine direkte Referenz auf das japanische Ästhetikkonzept des «Ma». Der Begriff ist schwierig zu übersetzen, bezeichnet aber so etwas wie ein Intervall – einen Zwischenraum oder eine Zwischenzeit. Gemeint ist das bewusst gesetzte Dazwischen, die Pause, der Abstand, der nicht als Mangel verstanden wird, sondern als Bedeutungsträger. Genau hier dockt Devon Turnbulls Klangphilosophie an, denn auch Klang entsteht in Zwischenräumen: Er ist die Schwingung der Luft zwischen Wand und Wand, zwischen Klangquelle und Hörendem. Erst wenn diese Zwischenräume bewusst gestaltet sind, wird der Klang zu einer Erfahrung, die uns unmittelbar berührt. Die Ausstellung lädt dazu ein, dieses «Ma» nicht als leeren Hintergrund zu überhören, sondern als eigentlichen Schauplatz des Tons wahrzunehmen.
Von Meditation bis Materialstudie
Die Ausstellung im Karimoku Research Center erstreckt sich über drei Ebenen, die jeweils eine eigene Facette der Beziehung zwischen Raum und Klang beleuchten: Im Erdgeschoss steht das «Sound House» im Zentrum – eine architektonische Skulptur, die an ein traditionelles Teehaus erinnert. Die Aussenwände sind mit einem präzisen Dot-Muster überzogen, während der Innenraum durch spezielle Akustikpaneele vollkommen von der Aussenwelt isoliert ist. Besucher:innen nehmen auf eigens entworfenen Sitzmöbeln Platz und lauschen dem Paar der «Rokujo»-Lautsprecher. Es ist ein Raum für die absolute Konzentration, in dem das Hören, Sitzen und Lesen (in den ausliegenden Fachzeitschriften des Künstlers) zu einer tiefen, meditativen Einheit verschmilzt.
Das Obergeschoss steht im scharfen Kontrast zur Stille des Erdgeschosses: Hier öffnet sich ein «Listening Room», der auch für DJ-Events konzipiert ist. Das Herzstück ist ein monumentales hölzernes Horn-Lautsprechersystem, das durch die dreidimensionale Verarbeitungstechnologie von Karimoku realisiert wurde. Die komplexen geschwungenen Teile, die üblicherweise aus Metall hergestellt werden, sind hier vollständig aus Holz gefertigt. In diesem offenen Raum wird Klang nicht nur gehört, sondern als massive, organische Schwingung im gesamten Körper spürbar.

Im Obergeschoss befindet sich ein modulares Stuhlsystem, das Turnbull speziell für das konzentrierte Hören entworfen hat. Akustikpaneele, die den Raum umgeben, optimieren die Klangbedingungen.

Das Herzstück des Raumes ist das grossformatige Lautsprechersystem mit Holz-Horn. Um die Konstruktionsdaten präzise zu realisieren, nutzte Karimoku seine handwerkliche Expertise in der Holzverarbeitung.
Die unterste Etage schlussendlich gibt einen Ausblick auf die künftige Produktlinie von OJAS und Karimoku. Hier werden die Lautsprechermodelle «Sanjo», «Rokujo» und «Nurikabe» in verschiedenen Oberflächen präsentiert. Besonders ist die Ausführung in «Pewter Grey», einer Lackiertechnik, die die Farbe subtil über das Holz legt, ohne die Maserung zu überdecken. Es ist ein Labor der Oberflächen, das zeigt, wie unterschiedliche Bearbeitungen die Wirkung und Präsenz eines Objekts im Raum verändern.
Die Ausstellung ist noch bis zum 5. Juni im Karimoku Research Center zu sehen.

Im Untergeschoss werden die Speaker-Modelle von OJAS und Karimoku wie ein dreidimensionaler Katalog präsentiert. Die serielle Anordnung macht die unterschiedlichen Proportionen und Oberflächen direkt vergleichbar und gibt einen Ausblick auf die künftige Produktserie.

