Ferien in der Schweiz habe ich erst in meinen Dreissigern richtig schätzen gelernt. Stressfreie Anreise, nachhaltiges Reisen mit dem Zug, keine Sprachbarrieren – und ganz nebenbei unterstützt man die lokale Wirtschaft. Mit dem Zug ab Zürich HB erreicht man Gonten in gut 1.40 Stunden. Eine der schönsten Anreisen der Schweiz. Kein Wunder, dass sich J. R. R. Tolkien auf seiner Reise durch die Schweiz inspirieren liess.
Mitten in diesem Bilderbuchpanorama, im Herzen von Gonten, hat im Oktober ein neues Hideaway eröffnet, das den Begriff «Kraftort» wörtlich nimmt: das HUUS QUELL by Appenzeller Huus. Das Hotel steht für ruhigen Luxus, Schweizer Qualität und gelebte Tradition – und tatsächlich wurde unter dem Spa während der Bauarbeiten eine Quelle entdeckt. Ein schöner Zufall – oder ein perfektes Sinnbild für das, wofür das Haus stehen will. Die Vision: ein Rückzugsort, der entschleunigt, stärkt und neue Energie schenkt.
Das Haus verbindet auf elegante Weise Appenzeller Handwerk mit moderner Architektur. Viel Holz, warme Farben, hochwertige Naturmaterialien. Die Zimmer und Suiten sind grosszügig geschnitten, mit feinster Bettwäsche, tiefen Fenstern und kleinen Gesten, die den Unterschied machen.

Auch in den Zimmern setzt sich das Konzept fort: Stoffe von Jakob Schlaepfer aus St. Gallen, warmes Mondholz und eine Gestaltung nach Feng-Shui-Prinzipien schaffen einen Rückzugsort, der Ruhe ausstrahlt.
Die Ostschweiz bietet traumhafte Landschaften und grossartige Wanderwege. Doch ein herausragendes Wellnesshotel für ein verlängertes Wochenende fehlte bislang – endlich muss man nicht mehr nach Österreich, Deutschland oder Südtirol ausweichen.
Der Spa-Bereich des HUUS QUELL by Appenzeller Huus ist überraschend weitläufig. Mehrere Saunen, Dampfbäder und Pools verteilen sich über drei Ebenen – und trotzdem bleibt es angenehm ruhig. Besonders spannend: das integrierte Longevity-Konzept, das in dieser Form in der Schweiz noch eine Seltenheit ist. Hier geht es nicht nur um Entspannung, sondern um nachhaltige Regeneration. Kryotherapie, Infrarot, Lymphfluss-Stimulation – modernste Methoden treffen auf klassische Wellnessrituale. Wer möchte, kann sein Spa-Erlebnis gezielt als Gesundheits-Upgrade nutzen.
Meine persönlichen Highlights
Der Spa
In drei Naturzonen – inspiriert von Wasser, Bergen und Wald – erlebt man hier einen textilfreien Parcours durch Entspannung, Wärme und stille Achtsamkeit. Mein 24-stündiger Aufenthalt reichte bei Weitem nicht aus, um alles auszuprobieren. Besonders zu empfehlen ist das Longevity-Programm: zuerst in die Infrarotkammer (Multi Cryo Hacking System), danach in zwei Kältekammern bei minus 60 und minus 110 Grad. Ein kurzer Schock für den Körper – aber unglaublich belebend und zum Abschluss das «Flow»-System, welches das Lymphsystem stimuliert und die Durchblutung fördert. Danach fühlt man sich tatsächlich wie neu geboren.
Die Botanicum Bar
Die Bar ist eine kleine Sensation: kein klassischer Tresen an der Wand, sondern ein zentraler Mittelpunkt – eine Bühne für Barkultur auf höchstem Niveau. Im Fokus stehen regionale Zutaten. Barchef Elmir Medunjanin interpretiert Klassiker mit heimischen Kräutern und Früchten neu, selbst der Appenzeller Biber findet als flüssige Signature seinen Weg ins Glas. Offenheit ist hier Pflicht – belohnt wird man mit echten Geschmackserlebnissen. Mein persönlicher Favorit: Farmers Table. Ein Drink, der an den perfekten Tomatensugo der Nonna erinnert – würzig, frisch und überraschend leicht.
Die Atmosphäre
Das ganze Haus folgt den Prinzipien des Feng Shui – jede Linie, jede Blickachse, jedes Material ist darauf ausgerichtet, Energie in Bewegung zu halten. Die Räume wirken ruhig und ausgewogen, und genau darin liegt ihre Kraft: eine Atmosphäre, die man nicht nur sieht, sondern spürt. Neben der Bar wächst ein vertikaler Kräutergarten, lebendig und duftend. Darüber schwebt eine poetische Installation aus Licht und Bewegung, fast wie eine Wolke, die den Raum sanft umarmt. Diese wurde von Studio above&below gemeinsam mit White Mirror Studios und dem Musiker Tom Middleton konzipiert. Je nach Tageszeit verändert sie ihre Stimmung, reagiert auf Licht und Umgebung – und lässt die Bar immer wieder neu erscheinen.
Der Weinkeller
Ein weiteres Highlight versteckt sich unter der Erde: der Weinkeller, kuratiert von Hans Rhyner. Auf über 350 Quadratmetern hat er eine wahre Oase für Weinliebhaber geschaffen. Internationale Spitzenweine, Schweizer Trouvaillen, perfekte Lagerbedingungen – und das alles in einer Atmosphäre, die eher an eine stilvolle Vinothek als an einen klassischen Hotelkeller erinnert. Ein Ort, an dem man gerne Zeit verliert.

Über dem Tresen der Botanicum Bar schwebt eine lichtdurchflutete Installation wie eine Wolke – Teil einer Inszenierung aus Design, Klang und regionaler Barkultur, die klassische Bararchitektur neu interpretiert.

Der vertikale Kräutergarten neben der Botanicum Bar liefert nicht nur frische Aromen für die Cocktails, sondern ist Teil des ganzheitlichen Konzepts: regionale Zutaten, Feng-Shui-Architektur und eine Bar, die als sinnliche Inszenierung gedacht ist.
Was das HUUS QUELL by Appenzeller Huus besonders macht, ist weniger eine einzelne Attraktion als das Gefühl, das bleibt. Die Balance zwischen Herkunft und Aufbruch ist hier nicht Konzept, sondern Haltung: Appenzeller Handwerk trifft auf zeitgemässes Design, Ruhe auf Innovation, Wellness auf Weitblick. Ein Ort, der entschleunigt, ohne stehen zu bleiben.
Und am Ende verlässt man das Huus Quell mit dem Gefühl, an einem Ort gewesen zu sein, der nicht nur erholt, sondern inspiriert. Ein Haus, das zeigt, wie modern Tradition sein kann – und dass man für echte Kraftorte gar nicht weit reisen muss.

