«Die Geschmäcker in Europa unterscheiden sich ziemlich stark»

MADE: Interview mit Ruth Wassermann

Ruth Wassermann, Design Director von Made.

In wenigen Worten: Was macht MADE für dich einzigartig?
Unser in-house Design-Team, das originelle und inspirierende Designs entwickelt. Unser aussergewöhnlicher Ansatz direkt mit Zulieferern zusammenzuarbeiten und der direkte Kundenkontakt. Unser umfassendes Netzwerk an externen Designern, die zusätzlich wundervolle Designs für unsere Kollektion entwerfen.

Was unterscheidet MADE von anderen Online-Plattformen?
MADE.COM ist keine Plattform, sondern eine Design-Brand, die ihre Angebote und Designs ausschliesslich im eigenen Onlineshop anbietet. Jedes Produkt, das bei MADE angeboten wird, wird entweder in-house von unserem Designteam MADE Studio oder in Collaboration mit einem internationalen Designer entwickelt. Wir bei MADE kennen unsere Zulieferer und Produzenten, wodurch einerseits unsere Produktions- und Designkette transparent wird, und wir andererseits grossartiges Design zu einem sehr guten(/fairen) Preis anbieten können.

Welche Unterschiede fallen dir in den Bereichen Design und Wohnen in Deutschland und der Schweiz im Vergleich zu England auf?
Die Geschmäcker in Europa unterscheiden sich ziemlich stark – im Allgemeinen sind Deutsche und Schweizer eher an modernen, cleanen Designs interessiert. Aber als Brand, die Produkte für den internationalen Markt designt, versuchen wir den Fokus auf die Gemeinsamkeiten zu legen, sodass unsere Kollektion universell ist und in all unseren Märkten gemocht wird.

 

Die «Vetro»-Leuchte gibt es als Tisch- oder Steh-Variante und jeweils in unterschiedlichen Farben.

Kannst du mir mehr über MADE.COMs TalentLAB erzählen? 
TalentLAB ist unsere Plattform für neue Designs, die jedem mit einer tollen Idee die Möglichkeit gibt, ein eigenes Produkt über MADE zu produzieren und verkaufen zu lassen und an jedem Verkauf anteilig beteiligt zu werden. Design bleibt so demokratisch; denn es ist nicht nur für jeden zugänglich (du brauchst keine spezielle Designausbildung, lediglich eine gute Idee), wir lassen unsere Kunden abstimmen, welche Designideen am Ende tatsächlich umgesetzt und produziert werden.

Junge Designer können mit TalentLAB aktiv ihre Ideen und Designs einbringen. Warum ist Förderung so wichtig für dich? 
Die Zusammenarbeit mit unabhängigen Designern ist ein wesentlicher Teil unserer Brand-DNA, denn die Förderung neuen Designs ist unser Ansatz zur Unterstützung und Entwicklung der Design Community. Es ist nicht leicht, einen Einstieg in die Branche zu finden und mit TalentLAB wollen wir genau das ermöglichen.

Wie eng arbeitest du mit den Designern zusammen? 
Die Designer, mit denen wir zusammenarbeiten, sind zu jedem Zeitpunkt in den Entwicklungsprozess eingebunden. Wir tauschen uns ständig aus, auch über grössere Distanzen hinweg – der modernen Technik sei Dank. Selbst einmal um die halbe Welt ist dank Videokonferenz kein Problem.

«Ariba» ist ein 2er-Set an Untertöpfen für Hauspflanzen, die den Süden direkt ins Wohnzimmer holen. 

Welches ist dein Lieblingsprodukt von MADE? 
Mein liebstes Produkt von MADE ist die VETRO Tischlampe – high-end und verspielt zugleich. Und ich bin ein grosser Fan von unseren Designern Cate & Nelson. Ich liebe ihr neuestes Sofa Odelle.

Was fasziniert dich an den Bereichen Interior und Design?
Wenn ich Kollektionen für MADE entwerfe, gefällt mir vor allem der Aspekt des «Geschichten Erzählens» rund um Design. Ich versetze mich mit meiner Vorstellungskraft in die Leben anderer Menschen, entwerfe, was sie umgibt, und unser breiter Mix aus Möbeln und Inneneinrichtung und sogar Lifestyle-Artikeln für Haustiere und Reise, bedeutet, dass wir das in der gesamten Breite tun können. Unsere Kunden sind selbstbewusst und kennen ihren eigenen Style, und da unser Zuhause durch Plattformen wie Instagram immer mehr genauso sichtbar wie unsere Kleidung wird, nutzen wir sie zusätzlich als Erweiterung unseres persönlichen Styles und Ausdrucks. Und das Erzählen von Geschichten über Produkte hilft den Fans von MADE genau dies zutun.

Dein Titel Design Director klingt nach Traumjob. Wie sieht ein typischer Arbeitstag bei dir aus?
Es IST ein Traumjob – I liebe ihn. Meine Tage sind tatsächlich recht unterschiedlich, aber beinhalten immer sehr viel Zeit für Gespräche mit Kollegen aus den unterschiedlichsten Teams. Das reicht von unseren wöchentlichen Design-Besprechungen, wo mir das Team aktuellste Arbeiten zeigt, bis hin zu Meetings mit externen Designern und Agenturen, um über Projekte und Collaborations zu sprechen. Darüber hinaus verbringe ich viel Zeit auf Plattformen wie Pinterest und Trendagenturen wie WGSN, um zu sehen, was es alles Neues gibt und um Informationen und Inspiration für unsere saisonalen Design-Directions zu  sammeln. Bei etwas mehr Zeit versuchen wir auch auf Inspirationsreisen zu gehen oder Galerien und Messen zu besuchen. Dieses Jahr freuen wir uns schon auf einen Ausflug zur Biennale in Venedig, um Inspiration für neue Lampen und Accessoires zu sammeln.

Lieblingsstück von Ruth Wassermann: Das Ledersofa «Odelle» von den Made-Designern Cate & Nelson.

Die Branche verändert sich ständig. Welche Trends erwarten uns? 
Mit Instagram sehen wir zwar mehr und mehr zeitgleich stattfindende, kurzlebige Trends, aber wenn es um Macro-Style-Entwicklungen geht, sehen wir schon einiges. Midcentury-Design war zuletzt sehr beliebt und der Retro-Style bewegt sich weiter in Richtung «Industrial» und «70er Jahre». Insbesondere der Industrial-Style wird immer beliebter und ist ein Trend, der mehr und mehr Aufmerksamkeit bekommt. In einem breiteren Kontext verlangen Kunden nach Transparenz und Nachhaltigkeit für alles, was sie kaufen, was sich wiederum stark auf die Wahl der Materialien und die Ästhetik von bestimmten Produkten auswirkt.

Welche Trends bei Outdoor- und Indoor-Möbeln siehst du?
Die Leute lieben ihre Terrassen und Gärten und sind viel experimentierfreudiger bei der Wahl des Stylings. Es gibt inzwischen echt tolle Materialien, wir sehen viel Beton und Flechtwerk bei Sitzmöbeln. Außerdem sehen wir grosses Interesse für Pflanz- und Blumentöpfe. Viele wollen draussen nicht bloss Essen und Trinken, sondern den vorhandenen Platz regelrecht in grüne Oasen verwandeln, um das meiste aus ihren urbanen Gärten herauszuholen.

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