Barragán Prize

Junya Ishigami gewinnt den neuen Architekturpreis aus Mexiko

Ein Mann mit schwarzen Haaren und runder Brille, in schwarzer, geflochtener Lederjacke, weissem Hemd und dunkelblauem Halstuch, steht mit den Händen in den Taschen vor einer leuchtend roten Mauer an einem hellblauen Wasserbecken, in das links ein Wasserstrahl aus einem Auslauf fällt.

Der Architekt Junya Ishigami ist der erste Gewinner des neu ins Leben gerufenen Barragán Prize 2026, hier zu sehen an der Preisverleihung in La Cuadra, Mexiko. 

Mit dem Barragán Prize erhält die Architekturwelt einen neuen internationalen Preis. Die Auszeichnung wurde am 9. Oktober erstmals in Mexiko verliehen. Erster Preisträger ist der japanische Architekt Junya Ishigami, dessen experimentelle Entwürfe die Grenzen zwischen Architektur und Landschaft ausloten. Hinter dem Preis stehen das Kulturzentrum La Cuadra und das italienische Modehaus Bottega Veneta.

Ein Ort mit Geschichte

Verliehen wurde der Preis auf La Cuadra San Cristóbal, einem Anwesen ausserhalb von Mexiko-Stadt. Der mexikanische Architekt Luis Barragán entwarf die Anlage Ende der 1960er-Jahre mit Wohnhaus und Pferdestallungen. Heute zählt sie zu seinen bekanntesten Werken.

Das Herzstück ist eine lange Mauer in kräftigem Pink, die sich durch das Grundstück zieht. Rechteckige Öffnungen verbinden die Stallungen mit dem Wasserbecken, während Mauern in Rostrot und Weiss die Anlage prägen. 

Dass es das Anwesen heute noch gibt, ist keine Selbstverständlichkeit. Es stand nicht unter Denkmalschutz und war wegen der angrenzenden Wohnsiedlungen vom Abriss bedroht. Der Architekt Fernando Romero kaufte es 2017 und machte daraus einen öffentlichen Kulturort.

 

La Cuadra, gebaut 1968, ist einer der bekanntesten Bauten von Luis Barragán.

Typisch sind die Farbflächen, die gezielt gesetzten Ausblicke und die Abfolge von Landschaftsräumen.

Heute ist La Cuadra ein öffentlicher Kulturcampus, dank Fernando Romero, der das Anwesen 2017 kaufte, um es vor dem Abriss zu bewahren. 

Ishigami, der Landschaftsdenker

Junya Ishigami, Jahrgang 1974, lebt und arbeitet in Tokio. Er war zuerst bei SANAA tätig und gründete 2004 sein eigenes Büro. Seine Projekte wirken leicht, offen und oft verblüffend naturnah. Wer ihn nicht kennt, hat vielleicht trotzdem schon etwas von ihm gesehen: 2019 baute er den Serpentine Pavilion in London, ein geschwungenes Dach aus Schiefer, getragen von filigranen Stützen. Zu seinen weiteren Projekten gehören unter anderem «KAIT Plaza» in Atsugi, Japan, sowie das «House & Restaurant» in Ube, Japan. Immer wieder lotet Ishigami aus, wie Architektur mit ihrer Umgebung zusammenspielen kann. Genau dafür wurde er nun auch mit dem Barragán Prize ausgezeichnet.

Mit Marina Abramović, Pedro Reyes, Louise Trotter von Bottega Veneta und mehreren Stararchitekten war die Jury prominent besetzt. Dass ein Modehaus bei einem Architekturpreis mitmischt, überrascht kaum. Bottega Veneta engagiert sich schon länger für Architektur, Kunst und Design, und La Cuadra war in den letzten Jahren immer wieder Kulisse für Kunstinstallationen und Modekampagnen.

 

Die erste Medaille des Barragán Prize 2026 ging an Junya Ishigami.

«KAIT Plaza», entworfen 2020, ist ein Gemeinschaftspavillon auf dem Campus des Kanagawa Institute of Technology in Atsugi, Japan, dessen Dach mit rechteckigen Ausschnitten ganz ohne Stützen auskommt.

Das «House & Restaurant» – auch bekannt als «Maison Owl» – in Ube, Japan, ist ein unterirdisches Wohnhaus mit Restaurant, welches Junya Ishigami und sein Team 2022 für einen französischen Gastronomen entworfen haben.

Medaille und Mentoring

Der Barragán Prize soll künftig jedes Jahr Architektinnen und Architekten auszeichnen, die neue Wege gehen. Neben einer Medaille gibt es 100'000 US-Dollar. Die Hälfte des Preisgelds geht direkt an die ausgezeichnete Person, die andere fliesst in ein einjähriges Mentoring-Programm. Ausserdem sollen die Preisträgerinnen und Preisträger künftig selbst in der Jury mitwirken.

Die Veranstalter wollen den Preis als festen Termin im internationalen Architekturkalender etablieren. Ob das gelingt, wird sich in den kommenden Jahren zeigen. Mit Junya Ishigami geht die erste Auszeichnung an einen Architekten, der gewohnte Vorstellungen von Raum und Landschaft hinterfragt. Eine spannende Ausgangslage für einen neuen Preis.

www.lacuadrabarragan.org