Der Zauber des Ortes

Architektur von Dorte Mandrup

Schwarz-weiss Porträt der dänischen Architektin Dorte Mandrup. Sie steht vor einer Wand aus dichtem Efeu, trägt eine helle Bluse und blickt mit ruhigem, direktem Ausdruck in die Kamera.

Dorte Mandrup ist Gründerin und Kreativdirektorin des gleichnamigen Architekturbüros mit Hauptsitz in Kopenhagen.

Die dänische Architektin Dorte Mandrup und ihr Team verstehen es, komplexe Bauaufgaben in sensiblen Landschaften so zu lösen, dass Architektur und Natur zu einer magischen Symbiose verschmelzen – eine Bildreise durch ausgewählte Projekte.

Ilulissat Icefjord Centre, Grönland

Als «Flug einer Schneeeule durch die Landschaft» beschreibt Dorte Mandrup das «Ilulissat Icefjord Centre». Die aerodynamische, leichte Konstruktion scheint über dem majestätischen, schroffen Gelände zu schweben.

Mit Blick auf den Kangia-Eisfjord, 250 Kilometer nördlich des Polarkreises, fügt sich das Gebäude nahtlos in die Natur ein und ­bietet einen einzigartigen Aussichtspunkt, von dem aus man die dramatischen Auswirkungen des Klimawandels hautnah miterleben kann.

Die komplexe Struktur des Gebäudes besteht aus 50 Stahlskelettrahmen, die eine Bumerangform bilden – fast wie die Überreste eines Tieres, das auf dem felsigen Gelände liegt.

Das Gebäude wurde als ganzjährig geöffnetes Besucherzentrum konzipiert und beherbergt Ausstellungen, ein Kinosaal, ein Café und einen Shop sowie Forschungs- und Bildungseinrichtungen.

Crafts College Herning, Dänemark

Die neue Handwerksschule im dänischen Herning ist von Dorte ­Mandrup als «lebendiges Lehrmittel» konzipiert. Das Gebäude würdigt die enge Verbindung zwischen Handwerk und Architektur – der Entwurf reagiert auf diese Weise auf den Rückgang der Einschreibungen in der beruflichen Bildung, indem es einen Ort bietet, an dem junge Handwerker:innen sich persönlich, sozial und beruflich entfalten können.

Die elliptische Form umschliesst einen inneren, kreisförmigen Innenhof und schafft so einen grünen Gemeinschaftsraum, der vor den rauen Winden der Heide geschützt ist.

Der Entwurf umfasst Wohnräume, Werkstätten und Gemeinschaftsbereiche in einer Gestaltung, die Zusammenarbeit und Zusammengehörigkeit fördert.

«Die Art und Weise, wie wir arbeiten, ist immer tief mit dem Ort verbunden. Der Kontext, der sowohl materielle als auch immaterielle Elemente umfasst, informiert und formt schon beinahe die Architektur.»  

The Whale, Andøya, Norwegen

Was 2014 mit der Vision einer Gruppe von Wal-Begeisterten begann, ist nun kräftig am Gedeihen. Der spektakuläre Entwurf von Dorte Mandrup wird 2027 der Öffentlichkeit zugänglich gemacht.

Die Gewässer rund um die Insel Andøya dienen als wichtige Nahrungsgründe entlang der jährlichen Wanderrouten der Wale und machen sie zu einem der besten Orte, um diese majestätischen Tiere aus nächster Nähe zu beobachten. Nach ihrer Fertigstellung wird «The Whale» das Leben der Wale und ihre Beziehung zum Menschen präsentieren, vermitteln und feiern.

Nunavut Inuit Heritage Centre, Kanada

Das Design des Heritage Centres ist von der Landschaft sowie der Bewegung von Schnee und Wind geprägt. Inspiriert von den Mustern, die der Wind in Schneewehen formt – was den Inuit seit langem als natürliches Orientierungssystem dient –, gräbt sich das Gebäude in den felsigen Hang oberhalb der Territorialhauptstadt Iqaluit.

Was das Gebäude dem Land nimmt, gibt es mit seinem grosszügigen, mit der Landschaft verschmelzenden Dach wieder zurück. Die Fensterfront des neuen Treffpunkts bietet einen spektakulären Blick über die weite Tundra.

Nach seiner Fertigstellung soll das Heritage Centre das Bewusstsein für die Inuit-Kultur fördern und die kulturelle Versöhnung zwischen Inuit und Nicht-Inuit unterstützen.

Wadden Sea Centre, Vester Vedsted, Dänemark

Vor etwa 12.000 Jahren schuf das Ende der Eiszeit ein 500 km langes Küstengebiet, das wir heute Wattenmeer nennen. Aus dieser Landschaft, geprägt von endlosen horizontalen Linien, abgelegenen Bauernhöfen und einem unerbittlichen Westwind, entspringt das Gebäude des Wattenmeerzentrums von Dorte Mandrup.

Sowohl in der Form als auch in den Materialien spiegelt das Zentrum die Identität des Ortes wider. Die Architekten nutzen das traditionelle Reet als skulpturales Element, wodurch das Bauwerk tief in der Küstenregion verwurzelt wird und zugleich eine eigenständige, kraftvolle Präsenz entfaltet.

Die Ausstellung im Innern erzählt die Geschichte der Millionen von Zugvögeln, die jedes Jahr am Wattenmeer rasten, um sich für die kräftezehrende Weiterreise nach Süden zu stärken.