Viktor&Rolf: Ist das noch Mode oder doch schon Kunst?

Ausstellung in der Kunsthalle München

Das Fashion-Duo Viktor&Rolf fasziniert seit Jahrzehnten. Obwohl sie vor mit Parfüms und tragbarer Mode durchaus auch kommerziell geworden sind, haben sie die Modewelt mit ihren visionären Entwürfen und politischen Statements in den letzten dreissig Jahren revolutioniert. Deshalb konnte ich mir die erste Einzelausstellung des niederländischen Designer-Duos in Deutschland bei einem kürzlichen Besuch in München nicht entgehen lassen.

Schon beim Betreten der Ausstellung «Viktor&Rolf - Fashion Statements» in der Kunsthalle München taucht ich in eine faszinierende Welt ein, in der Mode und Kunst unmittelbar ineinander übergehen. Was kann man überhaupt tragen, und was ist doch schon Kunst? Oder ist es einfach beides zusammen? Viktor&Rolf laden zu einem ästhetischen Abenteuer ein und loten die Grenzen zwischen tragbarer Mode und künstlerischem Ausdruck aus.

Ein weisses Kleid

Kleid mit einem klaren Statement, das gesellschaftlich so wie auch politische Geltung hat. 

Zwei Kleider auf einem Sockel

Mode oder Kunst? Diese Frage stellt sich bei der Ausstellung von Viktor&Rolf in der Kunsthalle München andauernd.

Über 100 Kollektionen entworfen

Viktor Horsting und Rolf Snoere haben nach dem Studium an der Kunstakademie in Arnheim in den Niederlanden gleich ihr Label gegründet. Auf den Namen sind sie gekommen, als sie für einen ihrer ersten Entwürfe auf die Bühne gebeten wurden: Viktor&Rolf. Inzwischen haben sie fast hundert Modekollektionen für Frauen entworfen, die wahrhaftig speziell sind.

Das zeigt die Ausstellung in München eindrücklich auf: Bereits im ersten Raum ist eines der auffälligsten Highlights (und auch das Poster für die Ausstellung) zu sehen: Ein Tüllkleid aus einer Kollektion von 2023 mit dem - wie auch typisch Viktor&Rolf - prägenden Namen: «Late Stage Capitalism Waltz». Der überdimensionierte Rock des Kleides steht verkehrt herum nach oben und verdeckt den Kopf der Puppe. Ein irgendwie leichter, aber sehr effektiver Ansatz des Duos.

Die aufwändigen Kleider von Viktor&Rolf werden auf eine Weise inszeniert, wie ich sie selten gesehen habe: verschieden ausgeleuchtet und meist auf Sockeln. Ein Beispiel dafür ist eine Installation, bei der ein Stück Stoff drei Bilderrahmen an der Wand verbindet. Daneben befindet sich ein ähnliches Arrangement, diesmal als Kleid auf einer Puppe. Solche Installationen verleihen der Ausstellung einen kunstvollen Charme. Ich denke an Bilder in Museen und kaum mehr an eine Fashion-Show.

Bilder mit Tüchern

Ein Bild, welche sich in ein Kleid zu verwandeln scheint. 

Ein Kleid

Das Spiel zwischen Kunst und Kleidung beherrschen Viktor&Rolf wie fast keine anderen Designer. 

Jedes Kleid erst als Mini-Version

Der erste grosse Raum der Ausstellung wird von weissen Kleidern geprägt, darunter ein Mantel mit dem Schriftzug «No» und eine Robe, die an eine Bettdecke erinnert und mit Kissen verziert ist. Im Mittelpunkt der Arbeit von Viktor& Rolf steht immer die Haute Couture, die sich durch massgeschneiderte Einzelstücke und aufwendige Handarbeit auszeichnet. Neben Kleidern sind auch Fotografien von den langjährigen Weggefährten des Duos zu sehen - Inez van Lamsweerde und Vinoodh Matadin werden ebenfalls gewürdigt.

Eine etwas seltsame und irgendwie auch leicht bizarre Präsentation sind die von kleineren Puppen, die Mini-Versionen der Kleider, die später auf den Laufsteg kamen, tragen. Viktor&Rolf haben stets jedes Teil einer Kollektion zuerst in Klein angefertigt, um die Wirkung zu verstehen.

 

Ein Kleid

Ein Kleid oder ein Bettbezug - Viktor&Rolf's Phantasie scheint keine Grenze zu kennen. 

Puppen mit Kleidern an

Von jedem Kleid fertigen Viktor&Rolf jeweils eine Mini-Version an, um zu verstehen, wie die Proportionen des Kleids ausfallen.

Gesellschaftskritik in Stoff

Plötzlich stehe ich in einem Ballsaal mit Kronleuchtern und Spiegeln: Überall verteilt stehen Tüllkleider. Das sind nun die «Fashion Statements», wie auch der Titel der Ausstellung zeigt. Sie stammt aus der Frühjahr/Sommer 2019-Kollektion. Diese Kleider tragen provokante Aufschriften wie «Trust me, I am a liar» oder «I am not shy, I just don’t like you» und verleihen der Ausstellung eine verspielte und zugleich auch reflektierende Atmosphäre.

Die Ausstellung endet mit Videos ihrer spektakulären Runway-Shows, darunter die bemerkenswerte «The Fashion Show» (2007/08), bei der die Models mit Aluminium-Gestellen über den Laufsteg schritten.

Ein Kleid mit der Aufschrift No

Im Ballsaal wird klar, weshalb die Ausstellung «Fashion Statements» heisst: Überall finden sich aufwändige Kleider mit klaren Botschaften. 

Ein Kleid mit der Aufschrift I LOVE YOU

Die Botschaften sind auch eine Kritik an unserer Gesellschaft, die Viktor&Rolf immer wieder in die Mode hineinbringen. 

Ein Badeanzug mit einer Aufschrift

Ein spezieller Badeanzug von Viktor&Rolf.

Ein Kleid mit einer Aufschrift

Ein beliebtes Sujet bei einigen Kleidern in der Ausstellung: «No». 

Viktor&Rolf bewegen sich stets an der Schnittstelle von Mode und Kunst. Die Retrospektive in der Kunsthalle München verdeutlicht das und möchte die beiden grossen Namen der Haute-Couture auch einem breiteren Publikum weitergeben. 

Ihre Kreationen werden von Stil-Ikonen wie Lady Gaga und Tilda Swinton getragen, aber auch in Ballett- und Opernaufführungen eingesetzt.  Perfekte Technik, aufwendige Darstellungen und eine Mode, die sich zwischen Realität und Phantasie bewegt – eben wie ein Kunstwerk. 

Kunsthalle München

«Viktor&Rolf Fashion Statements»

noch bis zum 6. Oktober 2024

Gruppen können auch eine Tour buchen, eine Audio-Führung gibt es auf der App

www.kunsthalle-muc.de/viktor-rolf

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