Die Poesie der Konstruktion

Claus Bury

Die architektonischen Grossskulpturen von Claus Bury sind prägnante Markierungen in natürlichen und urbanen Landschaften. Nun ist bei arnoldsche Art Publishers ein faszinierendes Buch über das poetische Werk eines aussergewöhnlichen Künstlers erschienen.

Landungsbrücke Ladenburg (2005): Stahlkonstruktion von 21 mal 10 mal 3,8 Meter in Ladenburg am Neckar.

Geometrische Formationen, Teil VII (1982), in Calgary, Kanada.

Mercator (1986): Holzkonstruktion von 6 mal 12 Meter im Kantpark, Duisburg.

Pendulum (1997): Aluminiumkonstruktion von 21 mal 5,2 mal 2,65 Meter an der Mainzer Landstrasse in Frankfurt am Main.

Bitterfelder Bogen (2006): Stahlkonstruktion von 28 mal 81 mal 14 Meter in Bitterfeld in Zusammenarbeit mit Bollinger + Großmann aus Frankfurt.

Präzise auf ihre Umgebung bezogen und von ihr abgeleitet, erinnern die Grossskulpturen von Claus Bury dank ihrer geometrisierenden Archaik nicht selten an Bauten vergangener Kulturen oder an Brücken- und Schiffskonstruktionen. Fast immer sind sie begehbar und thematisieren – als Bühne, Aussichtsplatz oder Rückzugsort – Grundbedingungen menschlicher Form- und Raumerfahrung. Seit über vier Jahrzehnten entwickelt Claus Bury Skulpturen. Sein künstlerisches Werk begann sich jedoch bereits Mitte der 1960er-Jahren zu entfalten. Nach einer Ausbildung zum Goldschmied widmete er sich zunächst der Schmuckgestaltung und fand schnell zu einer eigenständigen Position, die ihn schon in jungen Jahren zu einem renommierten und einflussreichen Protagonisten der sich gerade formierenden internationalen Autorenschmuckszene machte. Mit einer radikalen Zäsur entschied sich Bury 1979 für die freie Kunst und das grosse Format. Hatte er bereits mit Performances temporäre Strukturen in der Landschaft entstehen lassen oder auch ephemere, weil Wind und Wellen ausgesetzte Skulpturen geschaffen, so realisiert er nun dauerhaftere Arbeiten für den Aussenraum – vorwiegend aus Holz, seltener auch aus Stein, Stahl oder Aluminium. Seit Ender der 1970er-Jahre hat Bury nahezu 100 Monumentalskulpturen im öffentlichen Raum realisiert.

Der Künstler ist 1946 in Meerholz bei Geldhausen geboren, bildete sich erst zum Goldschmied aus und studierte anschliessend an der Kunst- und Werkschule Pforzheim. 

In der Publikation, die bei arnoldsche Art Publishers erschienen ist, widmet Volker Fischer dem Schaffen von Claus Bury eine grundlegende Werkanalyse. Er erforscht sehr genau und umfänglich die Inhalte und Kontexte von Burys Arbeiten. Zugleich werden sie erstmals in einem Werkverzeichnis erfasst und einzeln beschrieben. Die Fotografien der Skulpturen stammen vom Künstler selbst und faszinieren durch ihre aussergewöhnlichen An- und Durchsichten. Sie belegen, wie Bury mit seinen Skulpturen den sie umfassenden Raum aufgreift und in seine Arbeiten miteinbeziehen. Ein umfassendes Buch über einen Künstler, der in seinen Arbeiten auf immer wieder neue Weise Räume erfahrbar macht, um den Menschen einen Ort und eine Verorttung zu geben.

Claus Bury – die Poesie der Konstruktion: von Volker Fischer, arnoldsche Art Publishers, 400 Seiten, 323 Abbildungen, ISBN: 978-3-89790-572-6, 58 Euro.

Bankhäuser (2018) in Queidersbach.