
Zwischen Werkbank und Ausstellungsfläche entsteht ein Arbeitsumfeld, in dem Handwerk, Beratung und Gestaltung untrennbar miteinander verbunden sind.
In ihrem Kölner Atelier entwirft und fertigt Maren Dessel feinste Taschen aus Leder. Neben ihrer eigenen Kollektion, die sich durch architektonisch anmutende Formen und eine besondere Tiefe des Leders auszeichnet, stellt die Designerin Massanfertigungen nach Kundenwunsch her. Alle Stücke eint dabei ihr purer, ehrlicher Charakter.
«An einer Tasche, gefertigt aus den hochwertigsten Materialien, angefangen beim vegetabil gegerbten Rindsleder bis hin zum handpolierten Reissverschluss, sollte nichts sein, was das Auge von der Form ablenkt,» zeigt Maren Dessel sich überzeugt. Seit zwanzig Jahren beschäftigt sich die Wahl-Kölnerin mit dem Werkstoff Leder – und hat im Umgang mit dem Material ihre ganz eigene minimalistische Formensprache mit einem hohen Wiedererkennungswert entwickelt. Gelabelt werden die Schönheiten, die ihr Ladenlokal am Kölner Eigelstein verlassen, nicht. Und distanzieren sich damit bewusst vom Markenhype anderer Lederwarenhersteller: «Wir sind umgeben von Taschen und deren Marken. Meine Entwürfe bekommen keinen Stempel. Ein geübtes Auge erkennt Qualität auch so, das finde ich spannend,» so die Gestalterin.

In aufwendiger Handarbeit entstehen im Atelier Unikate aus Leder. Die Schablone auf dem Leder gibt die Form. Das Cuttermesser schneidet sie.

Sorgfalt im Detail entscheidet über Haltbarkeit – jede Naht ist Teil eines Systems, das auf langfristige Nutzung ausgelegt ist.
Etliche Taschenmodelle umfasst die Kollektion mittlerweile – von der körpernah getragenen Cross-Body-Bag VEGA über die markante Aktentasche ASKET – Taschenarchitektur in Reinform – bis zur grossformatigen, auf Wunsch auch als Rucksack zu tragender MME VELO. Sie geben eine Vorstellung von der Vielfalt der gestalterischen Möglichkeiten, aber auch von Marens typischer Formensprache und ihrem hohen Qualitätsanspruch.
Der Grossteil der bei Maren Dessel Leder Design verkauften Taschen sind dabei auf ihre Kunden zugeschnittene Sonderanfertigungen, inspiriert von den Modellen, die im Laden präsentiert werden. «Es gibt ein ausgewähltes Spektrum an Taschenmodellen, die sich über die Zeit als Klassiker etabliert haben,» so die 45jährige. «Und darunter auch wahre Bestseller. Ich betrachte die Kollektion jedoch vor allem als Grundlage für Individualisierungen. Die meisten Taschen entstehen im Miteinander mit den Kunden – und verlassen den Laden als einzigartige Unikate, gefertigt nur für ihren Träger oder ihre Trägerin.»

Das Stanzeisen stanzt Schlitze für Reissverschlüsse und Löcher für den Riemen.

Neben Schwarz sind auch andere Lederfarben möglich: Etwa Cognac, Schokobraun, Petrolblau, Tannengrün oder Ginkgogelb.
Das sind Marens liebste Aufträge: Wenn Design im Dialog mit dem Menschen entsteht. «Ich liebe diesen magischen Moment im Gespräch, wenn wir gemeinsam die passende, auf die Person zugeschnittene Form finden,» sagt sie. Was soll die Tasche alles können? In welchen Alltagssituationen soll sie ihren zukünftigen Besitzer oder Besitzerin begleiten? Wie gross, wie statisch oder weich soll sie sein, welche Funktionen sollen erfüllt werden, welche Innenaufteilung ist gewünscht? «Das alles versuche ich im Gespräch herauszufinden.»
Auch über Farbe von Leder und Innenfutter, Riemenmaterial oder Ausstattungsdetails wie die Metallfarben der Reissverschlüsse, Ösen oder Schnallen wird gesprochen. Manche Tasche bekommt einen Magnetverschluss, andere vielleicht eine schlichte Lasche oder sogar ein Zahlenschloss. «Beim Design spielen natürlich nicht nur ästhetische Aspekte, sondern Ergonomie, Funktionalität im alltäglichen Gebrauch, Langlebigkeit und Sicherheit eine wichtige Rolle.» Bei der Beratung kommt Marens langjährige Erfahrung ins Spiel: «Ein Reissverschluss verschleisst eher, wenn er über Eck geführt wird. Eine winzige Tasche ist nicht praktisch für einen Brillenträger, der ein Etui unterbringen muss. Grosse Taschen würde ich vielleicht eher mit Stoff auskleiden, statt mit schwererem Futterleder, um für Entlastung zu sorgen. Manche Architekturen von Taschen benötigen ein festes Leder; eher fliessende Formen ein weicheres Leder.» Aber grundsätzlich lehnt sie keinen Kundenwunsch per se ab. Im Gegenteil: «Ausgefallene Wünsche oder Ideen sind Anstösse für mich, etwas weiterzuentwickeln, zu überdenken, zu erneuern, zu verbessern,» sagt die erfahrene Fachfrau. «Spezielle Problemstellungen können eine tolle Energie freisetzen – sie geben mir einen Grund für Design.»

Die Präsentation folgt denselben Prinzipien wie das Design: Reduktion schafft Raum für Wahrnehmung und Qualität.

Maren Dessel in ihrem Kölner Atelier, wo Entwürfe aus Skizzen, Materialerfahrung und dem Dialog zwischen Form und Funktion entstehen.

