Durch Handarbeit Baudenkmäler retten

Stiftung Baustelle Denkmal

In der Schweiz stehen viele erhaltenswerte Bauten leer, zerfallen, verlieren ihren Zweck und Nutzen. Häufiger Grund dafür sind die hohen Kosten, die Sanierungen mit sich bringen. Die Stiftung Baustelle Denkmal hat es sich zum Ziel gesetzt, mit dem Einsatz freiwilliger Arbeitskräfte die Kosten für die Instandstellung von Baudenkmälern zu reduzieren und damit die Erhaltung, Pflege und Aufwertung von schützenswerten oder geschützten Baudenkmälern und ihrer Umgebung zu sichern. Projektleiterin Chantal Herrmann erklärt die Wirkungsweise der Stiftung und wie man selbst Teil eines Sanierungsprojektes werden kann.

In Eptingen, BL, konnte die Stiftung Baustelle Denkmal in Zusammenarbeit mit Zivildienstleistenden und dem Verein Baselbieter Feldscheunen die Feldscheune Niederbölche instandsetzen. Während zwei Sommern wurde unter anderem der Dachstuhl repariert und das Dach neu eingedeckt.

Die Feldscheune Niederbölche vor der Sanierung. 

In der Feldscheune Laimenrain bei Zeglingen, BL, wurde früher Heu gelagert. Der Zustand der Scheune aus dem 19. Jahrhundert war desolat. Im Sommer 2019 begannen die Renovationsarbeiten durch die Stiftung.

Die Scheune wurde demontiert, der Mauersockel repariert und noch verwendbare Balken neu abgebunden, aufgerichtet und eingedeckt. Jeder einzelne Balken wurde beschriftet, um beim Wiederaufbau die korrekte Anordnung zu sichern. 

Die frisch sanierte Feldscheune Laimenrain.

Begehung der Baustelle Ruine Tschanüff. Die Burgruine ist das Wahrzeichen von Ramosch, GR, und Zeuge einer eindrücklichen Geschichte. 2018 und 2019 führte die Stiftung Baustelle Denkmal während der Sommermonate Sanierungsarbeiten am Mauerwerk durch. Das historische Monument ist heute wieder für die Öffentlichkeit zugänglich.

Bei der Sanierung der Burgruine fertigten zwei Zivildienstleistende ihr Gesellenstück. 

Die Stiftung strebt die Erhaltung, Pflege und Aufwertung von schützenswerten oder geschützten Baudenkmälern und ihrer Umgebung in der Schweiz an. Was darf man sich darunter vorstellen?

Chantal Hermann: Die Stiftung vermittelt freiwillige Arbeitskräfte für Einsätze zur Pflege und Erhaltung von Baudenkmälern. Die freiwilligen Arbeitskräfte sind direkt auf den Baustellen im Einsatz und leisten unter professioneller Anleitung einer Fachperson einen tatkräftigen Beitrag zur Instandstellung oder Erhaltung eines Baudenkmals. Die Einsätze finden in unterschiedlichen Regionen der Schweiz statt. Dabei arbeitet die Stiftung stets eng mit Partnern vor Ort – zielverwandten Organisationen und Behörden – zusammen. 


Welche Ziele verfolgt Baustelle Denkmal?

CH: Die Stiftung will mit ihren Arbeitseinsätzen dazu beitragen, die Kosten für die Instandstellung von Baudenkmälern zu reduzieren und damit dem Zerfall erhaltenswerter Bauten entgegenzuwirken. Auf diese Weise wird freiwilligen Arbeitskräften die Möglichkeit geboten, sich in einem sinnstiftenden Umfeld zu betätigen. Mit ihrem Einsatz leisten sie einen handfesten und sichtbaren Beitrag zur Instandstellung eines erhaltenswerten Gebäudes. Dieses besondere Erlebnis ermöglicht es, auch das persönliche Umfeld für den sorgfältigen Umgang mit Baudenkmälern zu sensibilisieren. 


Wie gelangen Sie an die Projekte/Objekte?

CH: Viele potenzielle Objekte/Einsatzorte werden uns über die Webseite gemeldet. Ein möglicher Einsatz wird jeweils von der Geschäftsstelle geprüft. Die Einsätze konzentrieren sich dabei auf gemeinnützige Projekte oder Objekte ohne Ertrag. Viele Einsätze werden in langjähriger Zusammenarbeit mit Partnern vor Ort durchgeführt. Es kommen aber auch immer wieder neue Einsatzorte und Regionen hinzu. Im Jahr 2019 fand beispielsweise zum ersten Mal ein Einsatz im Tessin, in Moghegno, statt.

Wer ist im Namen von Baustelle Denkmal im Einsatz? Und wer leitet sie an?

Die Einsätze mit Zivildienstleistenden haben sich in den ersten vier Betriebsjahren der Stiftung etabliert. Nun erfolgt ein Ausbau des Angebots für freiwillige Arbeitskräfte. Praktische Arbeiten auf Denkmalbaustellen werden damit für jedes Alter und Geschlecht möglich. Die Anleitung erfolgt stets durch eine kundige Fachperson, die die Teilnehmenden vor Ort instruiert – beispielsweise ein Zimmermann mit denkmalpflegerischem Fachwissen.

 

Wie lange dauern die Einsätze für gewöhnlich?

CH: Die Arbeitssaison von Zivildienstleistenden dauert von April bis Oktober. Die Dauer, während der die Zivis an einem Einsatzort bleiben, ist unterschiedlich. Durchschnittlich dauern die Einsätze für die Stiftung zwei bis drei Monate. Der erste Einsatz mit Freiwilligen im Sommer 2020 ist für Juli und August geplant, er dauert 8 Wochen. Die Stiftung organisiert vor Ort die Unterkunft und Verpflegung.

 

Erzählen Sie uns mehr von diesem Einsatz, den Arbeiten an einem «Heidehüs» in Steinhaus VS. Sie suchen hierfür noch Freiwillige – wem gehört das Gebäude und welche Arbeiten sollen ausgeführt werden? Was bringen die Freiwilligen im Idealfall für Kenntnisse mit?

CH: Die Stiftung sucht noch Freiwillige für Arbeiten an einem «Heidehüs» in Steinhaus VS. Die Stiftung übernimmt das Wohnhaus aus dem 15. Jahrhundert mit einem Baurechtsvertrag, um es denkmalgerecht instand zustellen und langfristig zu erhalten. Jetzt für Juli und August sind erste Instandstellungsarbeiten des Mauerwerks, des Strickbaus und das Herstellen von Lärchenschindeln geplant. Es sind Teilnehmende jeden Alters und Geschlechts willkommen, die einen Beitrag zur Instandstellung des leerstehenden Gebäudes leisten möchten. Wichtig ist, dass die Teilnehmenden motiviert sind, anzupacken und ihre handwerklichen Erfahrungen erweitern möchten.

 

Hier kann man sich für den Einsatz beim Heidehüs in Steinhaus im Sommer anmelden. 

 

 www.baustelle-denkmal.ch

Das «Heidehüs», ein Wohnhaus aus dem 15. Jahrhundert, steht nahe dem historischen Kern von Steinhaus (Gemeinde Ernen VS). Das seit Jahren leer stehende Gebäude benötigt dringend ein neues Schindeldach sowie eine Reparatur des Mauersockels und der Strickkonstruktion, da es sonst zerfällt.

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