Form, Funktion, Farbe

Renovation in Mailand von Studio Sagaría

Helles, farbenfrohes Wohnzimmer mit Bücherregalen, Esstisch aus Holz, roten und grünen Teppichen sowie zwei Deckenventilatoren.

Wohnzimmer-Highlights: Korbsessel «Primavera» von Franca Helg, Teppich «Dentelle Hexagone» von CC Tapis und ein Bild von Alessandro del Pero

Rund 200 Quadratmeter Werkstatt, das klingt erstmal wenig einladend. Nackte Wände und freigelegte Strukturen signalisierten nicht gerade «Familienwohnung», aber das kreative Team von Studio Sagaría erkannte gleich, dass sich hinter dieser vermeintlichen Rohheit nicht nur jede Menge Platz, sondern auch jede Menge gestalterisches Potenzial verbirgt. Und so brachte die unkonventionelle Renovierung dank viel Feingefühl einen Ort zum Vorschein, der seine neue Existenz mit Hingabe und Vitalität zelebriert. Die Eigentümer, Federico, ein Fotograf, und Giulia, eine Kunst-Investmentmanagerin, wollten ihre Rückkehr nach Italien nach fast einem Jahrzehnt in New York mit einem Raum feiern, der ihre berufliche und persönliche Reise widerspiegelt. Beim Betreten empfängt die Residenz mit ihrem grosszügigen Wohnbereich, der von einer imposanten Kücheninsel und einem eleganten, multifunktionalen Aufbewahrungsmöbel dominiert wird. Bei Sagaría dient das Ornament der Funktion, die Form folgt der Emotion. So versteckt sich etwa hinter der wellenförmigen Struktur an der Wohnzimmerdecke, die zugleich an einen verspielten Mailänder Himmel erinnert, eine Projektionswand. Die Wand hinter der Kücheninsel von Very Simple Kitchen verbirgt auf elegante Weise das Durcheinander des Alltags, eine Vorratskammer und das geheimnisvolle Gästebad, während die dreieckigen Flügel der Regalhalterungen dem Raum geometrische Dynamik verleihen und die Stauraumkapazität erhöhen.

Böden, Decken und Wände wurden mit Materialien und entsprechenden Spezialfarben von Kerakoll bekleidet und gestrichen.

Eingangsbereich: Wandschrank mit Wiener Geflecht-Spezialanfertigung von Studio Sagaría, Teppich «Archer» von CC Tapis, Beistelltisch von Hay, Bild von Paper Collective.

Büro: Schreibtisch und Regale sind Sonderanfertigungen von Studio Sagaría, Stuhl «Officina» von Magis, Leuchte «Tizio» von Artemide.

Farbe im Mittelpunkt

Die Wahl der Farbpalette wurde von dem Wunsch bestimmt, einen ständigen Dialog zwischen Tradition und Kühnheit zu schaffen. Warme, erdige Töne koexistieren mit eher unerwarteten Akzenten und zeichnen visuelle Wege nach, die den Blick durch das Loft lenken. Der Massivholzparkettboden der Küche ist in einem leuchtenden Rot getönt und verwandelt den Weg durch den Raum in ein lebendiges Erlebnis, während sich die Steinsäulen als salbeigrün gestrichene Totems erheben, die mit der Lebendigkeit des Wohnraums in Dialog treten. Farbe wird kühn eingesetzt, um strukturelle Elemente zu betonen und neu zu beleben. Sowohl das natürliche als auch das künstliche Licht sind wesentliche Bestandteile des Raumes, wobei das Spiel von Licht und Schatten den Rhythmus des täglichen Lebens bestimmt. Das Licht fällt durch die Jalousien, die nicht nur als einfache Trennwände konzipiert sind, sondern als lebendige Blenden, die den Bewohner:innen die Freiheit geben, die Intimität und die Interaktion mit dem pulsierenden städtischen Leben draussen individuell zu gestalten. 

«Die Designsprache ist eine harmonische und kühne Verschmelzung von Tradition und Innovation.»    

Die untere Etage ist geschickt angelegt, um die lebhafte Energie der Kinderzimmer, des Zimmers für das Kindermädchen und zweier Badezimmer aufzunehmen, wobei ein fliessender Übergang gewahrt bleibt, der den dynamischen Lebensstil der Familie widerspiegelt. Eine imposante Treppe führt ins Obergeschoss, das als eigenständiger Rückzugsort konzipiert ist, wo die Ruhe des Hauptschlafzimmers, die Gelassenheit des Hauptbadezimmers und die Konzentration des Büros einen Ort der Besinnung und Erholung bieten. Der Einsatz von Glasbausteinen schafft eine metaphorische Brücke zwischen Epochen und Stilen und dient sowohl als Lichtverstärker wie auch als optische Verbindung zum Schlafzimmer. Dieses wiederum ist mit dem Badezimmer und dem begehbaren Kleiderschrank verbunden, ein abgeschirmter und eigenständiger Rückzugsort. Die Duplex-Gestaltung nutzt das Potenzial der doppelten Deckenhöhe optimal aus und verleiht der Wohnung ein Gefühl von Weite und Pracht, das über ihren städtischen Kontext hinausgeht. Die Treppe ist mehr als nur ein Verbindungselement – sie ist eine Skulptur, die die Vertikalität des Raums unterstreicht. Die Wahl der Formen und Materialien spricht eine doppelte Sprache: die der historischen Mailänder Handwerkskunst und die der unermüdlichen Innovationskraft des Big Apple. Holz, Metall, Ziegel und Putz sind nicht mehr nur Mittel zum Zweck; sie sind Protagonisten eines fortwährenden Dialogs zwischen zwei Städten, zwischen zwei Welten, zwischen zwei Sichtweisen. Sie schaffen eine Bildsprache, die die Seele des Raumes mit dem Körper seiner Architektur verbindet.

Die Räume sowie die Kombination der Einrichtungselemente entspringen einer gesunden Leidenschaft für die nahtlose Verschmelzung von Form und Funktion, Vergangenheit und Zukunft, Realität und Traum. Jedes Möbelstück wurde so konzipiert, dass es sich in diesen Dialog einfügt: vom doppelseitigen Aufbewahrungsmöbel im Eingangsbereich, das mit Wiener Geflecht verziert ist, bis hin zu den Nachttischen im Schlafzimmer, die die intime und persönliche Atmosphäre des Schlafbereichs unterstreichen.

Ein Mann mit Bart in einem dunklen Pullover und braunen Cordhosen lehnt in einem modern gestalteten Wohnraum an einem hellgrünen Sideboard. Hinter ihm hängen abstrakte Kunstwerke an der weissen Wand, während neben ihm eine gestreifte Vase mit Eukalyptuszweigen und ein gelbes Dekoelement stehen. Im Vordergrund setzt ein markanter roter Korbsessel einen farblichen Akzent auf dem ebenfalls roten Boden.

Für die Rückkehr nach Mailand wünschten sich Fotograf Federico und seine Familie einen lebendigen Raum, eine Projektionsfläche für Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft.

Blick in einen verspielten Flur mit einer markant gestreiften Bogentür in Hellblau und Weiss, die drei runde Bullaugen-Fenster unterschiedlicher Grösse besitzt. Rechts daneben ist ein intensiv blauer Wandabschnitt mit einem wolkenförmigen Spiegel und einem Teil eines weissen Waschbeckens zu sehen. Das Design kombiniert sanfte Pastelltöne mit kräftigen Farben und geometrischen Formen zu einem modernen, kreativen Interieur.

Die Hauptdarsteller: Farben. Von leuchtendem Rot über tiefes Blau bis zu zartem Salbeigrün. 

Ausgewählte Kunst

Die Kunstwerke, welche die Räume dieses eleganten Lofts schmücken, wurden mit derselben Sorgfalt ausgewählt wie jeder andere Aspekt des Umbaus. Die Künstler Alessandro Del Pero und Paolo Pelosini teilen mit den Designern und den Hausbesitzern einen einzigartigen Lebensweg, eine transatlantische Reise, die zwei Welten verbindet. Ihr künstlerischer Werdegang ist geprägt von einer Begierde nach Entdeckung und Weiterentwicklung, gefolgt von dem starken Wunsch, nach Hause zurückzukehren. Das Ergebnis ist ein Raum, der sich nicht um festgelegte Moden und Stile schert und von der Spannung zwischen Vergangenheit und Zukunft, zwischen Tradition und Revolution geprägt ist. Entworfen, gestaltet und umgesetzt mit technischem Selbstbewusstsein, formaler Ironie und einem respektlosen Geist. Hier hallen Anklänge einer Zukunft wider, die erst noch geschrieben werden muss.

Das Projekt von Sagaría erzählt eine Geschichte von Wandel und Beständigkeit, von Erinnerung und Innovation. Das Ergebnis ist ein Raum, der sich wie eine lebendige Leinwand ständig weiterentwickelt und an die Geschichten seiner Bewohner anpasst – ein Ort, an dem jeden Tag ein neues Kapitel einer transatlantischen Geschichte geschrieben wird.

sagaria.it

Schlafzimmer: Bett «Connect» von Hay, Nachttische Studio Sagarìa (Spezialanfertigung), Leuchten «Nessino» von Artemide, Fotografie von Yusuf Sevinçli.

Einblick, Ausblick, Durchblick: Die Glasbausteine sind nicht nur dekoratives Element und Lichtverstärker...

... sie verbinden auch metaphorisch unterschiedliche Stile miteinander.