Also es ist ja nun so: Der Münchner Stoff Frühling (MSF), des ist für mich a gmahde Wiesn. Das macht Spass, des is a Gaudi, die Showrooms der Textilhersteller putzen sich raus und zeigen sich stolz in ihrem feinsten Zwirn. Man tingelt durch die Stadt, wahlweise flanierend zu Fuss oder schweissfrei im Shuttle und schmökert sich im grossen oder kleinen Radius einmal um den Marienplatz. Herrlich entspannt und maximal unglamourös – denn nichts anderes erwarte ich von einer Messe. Statt bis zur Besinnungslosigkeit Neuheiten aufzusaugen, möchte ich die Menschen und Geschichten hinter den Produkten finden.
Seit letztem Jahr bieten auch die Munich Design Days (MDD) ihre Tanzkarte an und im Doppelpack sind die beiden Veranstaltungen so unschlagbar wie der Meister Eder und sein Pumuckl, der Monaco Franze und sein Spatzl, die Weisswurst und der süsse Senf. Die MDD finden im Gegensatz zum Stoff Frühling, der stramm auf die 30 zugeht, erst zum zweiten Mal statt und es sei ja schon alles noch ein Abenteuer, so Co-Initiator Klaus Winkler (Winkler Medien Verlag) beim Auftakt auf der Praterinsel. Co-Initiator Malte Perlitz (Markenkultur) ergänzt: «Es geht bei diesem Format vor allem ums Zusammenkommen und die Freude am Austausch. Auf der Insel ist schlechte Laune verboten.»
In Bayern, des is kloar, will man sich begegnen. Wozu ist eine Messe sonst da? «Wir sind ein kleines familiäres Format», so Malte Perlitz über die Munich Design Days, «fragen Sie einfach mal Ihr gegenüber: woher kommen Sie und was machen Sie hier?» Wer jetzt denkt, die Aufforderung zur Heiterkeit hätte bei den Besucher:innen zu Irritationen oder gar Unwillen geführt, der hat die Magie des Mia-san-mia unterschätzt. Und zwar masslos. Auch ich denke: Challenge accepted, drehe mich spontan um und frage den Menschen hinter mir: «Woher kommen Sie und was machen Sie hier?» Die Antwort: «Ich bin der Stefan von Designercarpets Drechsle und ich komme aus Lörrach.» Lörrach! Do legst di nieda! Da komme ich nämlich auch her. Zwei Sekunden später parlieren wir in vertrautem Alemannisch und Stefan erzählt mir von seinem Unternehmen, dass Tochter Annique nun in 3. Generation auch mit an Bord ist, und dass die MDD auch für ihn ein Abenteuer sind, «ein Versuch mal ein neues Format zu testen.» Leider muss ich dann auch schon weiter – der Dame mit dem Tablett frisch gebackener Waffeln folgen – aber Stefan versteht das, schnappt sich auch eine und wir verabreden uns nochmal für den nächsten Tag. Sozusagen ein richtiges erste Date mit ihm und Annique am Stand, nicht bloss so zwischen Tür und Waffel.
Weil Maltes «Anmachspruch» so gut funktioniert, und die zuckrige Waffel energietchnisch voll kickt, versuche ich es gleich ein zweites Mal. «Wer sind Sie und was machen Sie hier?» Dieses Mal ist es Marcel Müller von M2Rugs. Zugegeben, wir kennen uns schon, als Einstieg ins Gespräch funktioniert das trotzdem ganz wunderbar. Einer seiner Teppiche ist in Dubai hängen geblieben, aber immerhin der neue von Sebastian Herkner ist rechtzeitig angekommen. Marcel war schon bei der MDD-Premiere 2025 mit dabei und schätzt die Entspanntheit des Formats. Auch wir verabreden uns auf ein weiteres Date, allerdings erst im Juni in Kopenhagen bei den 3 days of design.
Egal, ob mit oder ohne Maltes Opener, die Menschen sind offen und gut gelaunt, haben Lust auf einen Austausch, ohne gleich den Rechenschieber auszupacken und zu kalkulieren, ob unterm Strich auch finanziell was von der Begegnung hängen bleibt. Wir sprechen über Trends, Technologien und ja, manchmal über Trump. Aber auch über
- das Wetter (Hallöchen weissblauer Strahlehimmel, der sich am Nachmittag durchs Grau schiebt)
- den Deutschen Popliteraturpreis (was ist das eigentlich, Popliteratur?)
- die bayerische Küche (vegetarisch geht, aber keinesfalls vegan, denn Obatzda ist nicht verhandelbar)
- Hunde (Fellwechsel, Sabberflecken – die ganze Palette)
- Baby Schimmerlos und Kir Royal (was wäre München ohne sie)
- Baby Schimmerlos und Designfails der 80er-Jahre (was wäre das Leben ohne sie)
- Deutsche Bahn vs. SBB
Und so weiter und so fort. Es macht einfach einen Höllenspass hier unterwegs zu sein und neue Menschen, neue Möbel, Stoffe oder Stadtteile kennenzulernen. Deshalb ist es auch erlaubt, hier mit meinem all-time-favorite Bayernklischee zu enden: Bussi und Baba, schee woas!

