
FabBRICK verwandelt revalorisierte Textilien in dekorative Wandziegel: Die aus 80 Prozent Stoffresten gefertigten Module zeigen, wie Kreislaufwirtschaft als architektonische Oberfläche sichtbar wird.

Die handgefertigten Wandfliesen von FabBRICK werden ohne Brennprozess und ohne chemische Behandlung hergestellt und sind speziell für vertikale Innenflächen konzipiert.
Was passiert mit all den Textilien, die in der Mode- und Industrieproduktion ungenutzt bleiben? Für Clarisse Merlet, Gründerin des Pariser Kreativstudios FabBRICK, wurde diese Frage 2018 zum Ausgangspunkt eines neuen architektonischen Materials. Aus ihrem gleichnamigen Abschlussprojekt entstand ein Studio, das Textilabfälle in dekorative Wandziegel oder -fliesen verwandelt und damit Ästhetik, Funktion und ökologische Verantwortung miteinander verbindet.
Die von FabBRICK entwickelten Fliesen bestehen zu rund 80 Prozent aus wiederverwerteten Textilien und zu 20 Prozent aus einem umweltfreundlichen Bindemittel, das sich aus einem biobasierten und zwei mineralischen Bestandteilen zusammensetzt. Sie werden ohne Brennprozess und ohne chemische Behandlung hergestellt. Das Ergebnis ist ein poröses, leichtes Material mit schallabsorbierenden Eigenschaften, das speziell für vertikale Innenflächen konzipiert ist.

FabBRICK sammelt Textilien direkt bei seinen Kund:innen in Frankreich und verarbeitet sie zu rückverfolgbaren Wandmodulen im Sinne der Kreislaufwirtschaft.

2019 realisierte FabBRICK seinen ersten Grossauftrag mit der Modemarke JULES – ein frühes Beispiel für die Anwendung der textilen Wandziegel im Retail-Design.
Besonders charakteristisch ist die Farbwelt von FabBRICK. Neun Töne – von White über Flamingo und Terracotta bis Jungle, Azur, Bluejean, Stone und Black – entstehen nicht durch zugesetzte Pigmente, sondern allein durch die vorsortierten Textilien selbst. Es wird keine Farbe hinzugefügt, jeder Ton ist das Ergebnis der ursprünglichen Stoffe. Ergänzt wird die Palette durch drei Muster: Uni, Terrazzo und Dégradé. Darüber hinaus entwickelt das Studio individuelle Farbkompositionen aus den Textilresten seiner Kund:innen – aus Uniformen, Produktionsabfällen oder Kleidungsstücken mit kleinen Mängeln, die so eine neue, sichtbare Geschichte an der Wand erzählen.
Die Einsatzbereiche reichen von Empfangsbereichen, Büros und Cafés über Hotels und Verkaufsräume bis hin zu privaten Wohnräumen. Die Fliesen sind für vertikale Innenflächen gedacht und sind nicht für Feuchträume oder horizontale Anwendungen geeignet. Neben ihrer dekorativen Wirkung bringen sie eine akustische Komponente in Räume und setzen einen weichen, textilen Kontrapunkt zu glatten, industriellen Oberflächen.
FabBRICK sammelt Textilien direkt bei seinen Kund:innen in Frankreich und ermöglicht so vollständige Rückverfolgbarkeit. 2025 schlug das Studio ein neues Kapitel auf. Erstmals ging FabBRICK über das klassische Fliesenformat hinaus und experimentiert mit skulpturalen Formen und neuen kreativen Ausdrucksformen. Diese Kollektion wurde im Rahmen der Paris Design Week 2025 vorgestellt.

