Endlich! (Zeit zum Lesen)

Hier lässt es sich gut Auszeit nehmen, sofern man sich die anspruchsvolle Tour zutraut... Das Gervasutti-Biwak liegt auf 2835 m. ü. M. im südlichen Mont-Blanc Massiv, bietet Platz für 12 Personen und ist mit fliessend Wasser, Toilletten, einer Küche mit Induktionsherd und einer Heizung ausgestattet. Der wahre Luxus liegt aber in der einmaligen Aussicht in die freie Wildbahn. Gefunden im Buch «Alpine Zufluchten».

Ich weiss nicht, wie es euch geht. Aber jetzt, nachdem der Rummel um die Festtage und den Jahreswechsel vorbei ist, kann ich es kaum erwarten, mich einzulümmeln und die nächsten Tage (ach, wären es doch Wochen...) durchzulesen. Buch für Buch für Buch...

Für alle, die sich ebenfalls im Lesemarathon testen wollen – oder einfach ein paar Sprinteinlagen versuchen – und noch nicht (genügend) mit Material ausgerüstet sind, haben wir hier einige Ideen zusammengetragen. Völlig zufällig und ohne alle Bücher selbst gelesen zu haben. 

 

«Alpine Zufluchten» versucht sich als Gegenmittel zur digitalen Überlastung und zeigt «Berghütten am Limit der Natur», also Bauten an spektakulären Orten, die mit viel Einfallsreichtum gebaut wurden und oft völlig autark und mit minimaler Umweltbelastung betrieben werden.

Nicht minder spektakulär, aber vielleicht etwas leichter zugänglich sind die 62 Baumhäuser (auf dem Bild: die Tree Tents in The Secret Campsite in England und in Näsets Marcusgård in Schweden), ...

die in «Modern Tree Houses» gesammelt wurden. Die Auswahl reicht von verspielten, selbstgebauten Hütten bis zu ausgeklügelten Bauten international bekannter Architekturbüros.

Und wenn wir schon mal in den Bäumen hocken, dann wollen wir uns ihnen auch richtig widmen. «Bäume, die die Welt bewegen» blickt in die Geschichte vier besonderer Baumarten – Eiche, Teak, Kautschuk und Mahagoni – und erklärt, wie sie unsere Kulturen, die Weltkarte und die politischen Verhältnisse beeinflusst haben. 

Folgerichtig landen wir nach den Bäumen beim Holz... Über zwanzig Autor:innen verankern in dem Buch «Holz. Von der Materie bis zum Gebauten» das Material in der Baugeschichte, beschreiben stoffliche und gestalterischen Qualitäten und beleuchten Planung und das Bauen mit Holz. 

Es geht um forstwirtschaftliche, technologische und baukulturelle Tendenzen ebenso wie um die Fragen, wie es um den Wald steht, wie es politisch gelingt, den urbanen Holzbau zu fördern, oder welche Synergien hybrides Bauen bringt.

Von einer anderen Materie handelt «Concrete, mon amour». Durch die Linse des Fotografen Stefano Perego werden Betonkonstruktionen des 20. Jahrhunderts ins Zentrum gerückt, die einst als radikale Experimente und kreative Ambitionen gefeiert wurden.

Bekannte Wahrzeichen, vergessene Momumente, bleibende Symbole künstlerischer Genialität und imposante Ausdrucksformen missbräuchlicher Macht – das Buch entschlüsselt die Hintergründe, die den gezeigten architektonischen Giganten innewohnen. 

Einblick in imposante Werke, wenn auch ganz anderer Art, gibt dieser Band über das Schaffen des spanischen Architekten Ricardo Bofill

Seine poetischen Räume, surrealen Strukturen und einzigartige Visionen vermögen zumindest ein wenig die Sehnsucht nach progressiven Idealen zu stillen.

Lesen macht hungrig und durstig. Und Lust, auf Entdeckungsreise zu gehen. Hier die geeignete Lektüre dazu.

Ralph kann kochen. Und wie. Das ­wissen alle, für die er schon als Privatkoch tätig war (oder wie ich zwar kein VIP sind, aber sonst schon einmal von ihm bekocht wurden). Nun hat er sein Können in ein unprätentiöses Buch verpackt und es damit für alle zugänglich gemacht. Die Rezepte sind tatsächlich nachkochbar (!) ... 

... und für anspruchsvolle Gaumen genauso wie für Liebhaber:innen ­eines unkomplizierten, genussvollen Lebensgefühls. Heruntergekocht auf das Wesentliche, bietet «Simple is Best» Zugang zu Ralphs einzig­artigem Können: Geschmäcker zu kreieren, die das Herz erwärmen.  

Um besondere Geschmäker geht es auch im Buch «Kardamom küsst Tonka». Der wunderschön illustrierte Band lässt auf 300 Seiten Gewürze und ihre Geschichten nicht als blosse Zutaten, sondern als Persönlichkeiten auftreten. 

Das Buch ist ein Mutter-Tochter-Projekt von Nanna Rittgardt, die in St. Gallen den Gewürzladen Nanna bunte Küche führt, und ihrer Tochter Masha, welche den Gewürzen in «Kardamom küsst Tonka» ihre charakteristischen Züge verleiht. Unbedingt reinschnuppern!

Weil Reste und Abschnitte Gold wert sind, möchte ich noch das neue Buch «Taste Not Waste» von Esther Kern ans Herz legen. Initiiert von Responsible Hotels of Switzerland, hat die Autorin der Kochbibel «Leaf to Root» weitere wundervolle Rezepte sowie alles Wissenswerte zu Haltbarkeit, Aufbewahrung und Zubereitung von Lebensmitteln aber auch Reportagen zu Food Save und Circular Food gesammelt.

Wer nun keine Lust auf Kochen, sehr wohl aber auf gutes Essen hat, der wird in Martin Jennis persönlichem Beizen- und Einkaufsführer «Aufgegabelt 2026» garantiert fündig. 800 ausgewählte Adressen in der Schweiz und den angrenzenden Nachbarländern sollten reichen, um den passenden Ort für den kulinarischen Ausflug zu finden.

Und wer sich bereits auf den kulinarischen Roadtrip begeben hat, kann sich dazu gleich noch kulturell weiterbilden und die im Reiseführer «The Art Escapes Atlas» aufgeführten Kunstdestinationen auskundschaften. 

Apropos Kunst: Wussten Sie, dass die Schweizerische Post seit 1924 eine wichtige Rolle in der Förderung und Sammlung zeitgenössischer Kunst in der Schweiz spielt? Nicht? Dann lohnt es sich, sich das zum 100-jährigen Jubiläum dieses Engagements erschienene Buch zu lesen. 100 Künstler:innen stehen darin symbolisch für 100 Jahre Kunstförderung, besonderer Fokus gilt zehn jungen Kunstschaffenden unter 40 Jahren.

Weniger kunstvoll scheinen die 365 architektonischen Bausünden zu sein, die in Turit Föbes «Abrisskalender 2026» täglich abgerissen und der Endlichkeit zugeworfen werden können. Und damit wünsche ich viel Lesevergnüngen im neuen Jahr!

Verwandte Artikel