Baden im Farbenrausch

Badezimmer-Neuheiten von der ISH 2019

Es gibt noch viel mehr Farbkombinationen:

«Albume» von antoniolupi.

Irgendwann in den 1980er-Jahren renovierten meine Eltern unser Badezimmer. Statt der Badewanne gab es eine Dusche und statt des einzelnen Lavabos einen Doppelwaschtisch, beide in Balibraun. Die Wände und der Boden hingegen erstrahlten frisch geplättelt in Weiss. Die Platten lagen schon im Trend der folgenden Jahrzehnte, denn die Ära von Balibraun, Bahamabeige und Moosgrün neigte sich damals ihrem Ende entgegen. Seitdem dominiert Weiss in mitteleuropäischen Nasszellen. Wobei die funktionale Nasszelle sich ja längst zum Wohlfühlraum gewandelt hat, und seit einiger Zeit kehren nun die Farben zurück in die Badezimmer. Oder besser gesagt: Neue Farben halten Einzug. Auf der diesjährigen ISH waren sie überall zu sehen – die ISH ist die «Weltleitmesse für Wasser, Wärme und Klima» und ausserdem der laut Messe «weltweit größte Showroom für moderne Badkonzepte». Waschtische, Badewannen, Armaturen und was sonst noch alles zum Bad gehört gibt es dort wahrlich in Hülle und Fülle zu bestaunen. Das Thema Farbe hatte schon bei den letzten Ausgaben der Messe an Präsenz gewonnen, rückte dieses Mal aber noch weiter in den Fokus.

«Blue Satin» heisst diese Farbe des deutschen Wannenproduzenten Bette.

«Forest» ist eine weitere der neuen Effekt-Farben von Bette.

Wie die Waschtische «Albume» von antoniolupi, gibt es auch die Badewanne «Reflex» in vielen leuchtenden und gedeckten Farben. Das semitransparente Material «Cristalmood» macht das Farbenspiel besonders faszinierend.

Schwarze Armaturen waren an der ISH weit verbreitet. Kaldewei hat die passenden Duschflächen und Lavabos aus Stahl-Email dazu.

Natürlich Farben halten mit Holz und Naturstein(optik) Einzug ins Bad, hier bei Ceramica Globo.

Wie man auch mit Farbe im Bad umgehen könnte, zeigte die Designerin Gesa Hansen an der ISH bei Villeroy & Boch.

Farbkonzept «his and hers by Gesa Hansen» für Villeroy & Boch an der ISH 2019.

Farbenfrohes Bad mit weisser Keramik: «Collaro» von Villeroy & Boch. Die dünnwandige Keramik «TitanCeram» ist mit der neuen Kollektion erstmals auch im mittleren Preissegment erhältlich.

«SaphirKeramik» heisst das Pendant bei Laufen. Für die Kollektion «The New Classic» hat der Designer Marcel Wanders aus dem filigranen, aber sehr robusten Material nicht nur Waschtische, sondern auch Accessoires und Spiegel entworfen.

Es ging also nicht nur um Farbe an der ISH. Und manchmal waren auch Dinge wichtig, die man nicht sieht: Beim neuen Badkonzept «Geberit ONE» verschwindet der Siphon in der Wand. So bleibt der Platz unter dem Waschtisch entweder völlig frei...

... oder er bietet extra viel Stauraum, da für den Siphon kein Platz im Möbel ausgespart werden muss: Waschtisch und Unterschrank «Geberit ONE».

Die Armaturen, die meine Eltern bei ihrem Badumbau in den 1980ern zu den dickwandigen, braunen Lavabos wählten, waren verchromt. Das ist heute noch der Standard, doch scheint dieser langsam abgelöst zu werden: schon bei der letzten Ausgabe der ISH vor zwei Jahren waren überall Armaturen mit PVD-Beschichtung zu sehen. Damit sind alle Farben möglich, und die Oberfläche ist erst noch unempfindlicher als Chrom. Besonders gefragt scheinen derzeit matte Oberflächen zu sein, jedenfalls fehlten sie an kaum einem Stand - und zwar sowohl bei den Armaturen als auch bei der Keramik.

Warme Metallic-Töne wie Gold, Kupfer und Bronze sind weiterhin sehr angesagt. Nicht nur bei Armaturen: Auch der Handtuchhalter und die Duschrinne passen zu den Armaturen der «Meta»-Serie von Dornbracht.

«Meta» ist auch in ausgesuchten kräftigen Farbtönen erhältlich. Die Armaturenlinie gibt es schon seit 1995. Sieger Design hat sie für Dornbracht weiterentwickelt.

Ebenfalls von Sieger Design, aber für Duravit ist die Komplettbadserie «Viu». Die Armatur «D.1e» haben Matteo Thun & Antonio Rodriguez entworfen. Mit ihrer matt-schwarzen Oberfläche und der elektronischen Steuereinheit steht sie geich für zwei Trends der diesjährigen ISH.

Noch mal Matteo Thun & Antonio Rodriguez: Für den indischen Hersteller Jaquar kombinierten die Designer Schwarz und Gold zu formschönen Armaturen der Badserie «Laguna».

Verschiedene Farben hat natürlich auch hansgrohe im Angebot. Aber mit «Rainfinity» und «RainTunes» auch ein neues Duscherlebnis mit Verwöhnprogrammen, Sound, Düften und digitaler Steuerung.

Die Zukunft? Armatur aus dem 3D-Drucker von Grohe. Die «Icons 3D» sind allerdings (noch) nicht standardmässig erhältlich.

An der ISH gab es einige tolle Farbkonzepte zu sehen. Aber: Weit über 90 Prozent der Sanitärprodukte, die in unseren Breitengraden verkauft werden, sind – zumindest derzeit – immer noch weiss. Auch wenn das auf der ISH anders wirkt: Mein persönlicher Eindruck deckt sich mit den Angaben der Hersteller. Ein neues Badezimmer ist schliesslich keine ganz kleine Investition, und da braucht es schon etwas Mut und auch ein sicheres Gespür bei der Farbwahl, um sich für die nächsten Jahre oder Jahrzehnte auf etwas anderes als Weiss festzulegen.

Ob sich in dieser Frage etwas bewegen wird, konnte auch der Designer Stefan Diez an einem Talk der Plattform Pop up my bathroom nicht beantworten. Aber er hat eine flexible Lösung präsentiert, Farbe ins Bad zu bringen (ohne es bei farbigen Accessoires oder Handtüchern zu belassen): Mit dem Badmöbelhersteller Burgbad hat er das System «rgb» entwickelt. Die Möbel aus farbigem Glas können individuell zusammengestellt und nachträglich erweitert (und so die Farben auch neu gemischt) werden. Sie lassen sich relativ unkompliziert an die Wand montieren, und zwar nicht nur im Bad, sondern auch in anderen Räumen.

Farbiges Glas und ein raffiniertes Montagesystem: das Möbelsystem «rgb» von Stefan Diez für Burgbad.

Das Möbelsystem «rgb» von Stefan Diez für Burgbad kann erweitert, kombiniert und mit Schubladen, Türen, Körben, Arbeitsplatten und Waschtischen ausgestattet werden

Badmöbel gab es an der ISH natürlich in allen möglichen Farben, passend zu den allgegenwärtigen schwarzen Armaturen selbstverständlich auch in Schwarz. Keuco hat beides im Sortiment, und dazu diverse Accessoires und Spiegelschränke.

Ausserdem stellte Keuco das smarte Lichtkonzept für den gesamten Raum «Royal Midas» vor.

Diese Accessoires aus der Serie «System 815» von Hewi setzen Farbakzente im Bad.

Ein Farbkonzept ist ein Farbkonzept, und zwar konsequent bis zur WC-Betätigungsplatte. Auch die Duschrinne und der Wannenüberlauf sind von Viega.

Wer sich nun langsam an den Einsatz von mehr Farbe im Badezimmer herantasten möchte, mag dies vielleicht mit einfach reversiblen Dingen wie Textilien tun. Diese Teppiche sind von antoniolupi.

Die braunen Lavabos in meinem Elternhaus haben inzwischen ausgedient: der neue Waschtisch und die bodenebene Duschfläche sind weiss. Ebenso das Waschtischmöbel, der Heizkörper und sogar die Handtücher. Die weissen Platten hingegen sind solchen gewichen, deren Farbton an Sandstein erinnert. Schön ist es geworden, hell und freundlich. Aber Farben sind schon auch toll. Ich bin gespannt, ob sie mir in den nächsten Jahren vermehrt in Badezimmern begegnen.