Ein industrielles Schwergewicht

Eine interaktive Ausstellung im Museum Aargau in Windsich

Die Aargauer Industriegeschichte hält einige Überraschungen bereit und hat zu Recht international für Furore gesorgt: Schliesslich wurden die Alufolie, die Teigknetmaschine und der Würfelzucker in diesem Kanton erfunden.

Im Spiegelsaal werden über 150 Objekte gezeigt, die der Kanton Aargau im Laufe der Industrialisierung hervorgebracht hat.

Im Spiegelsaal werden über 150 Objekte gezeigt, die der Kanton Aargau im Laufe der Industrialisierung hervorgebracht hat.

Die interaktive Ausstellung «Von Menschen und Maschinen» des Museums Aargau (MUAG) im SBB Historic-Gebäude in Windisch widmet sich der vielfältigen Aargauer Industriegeschichte in drei verschiedenen Teilen. Dokumentiert werden einerseits die unterschiedlichen Lebenswelten der Patrons und Arbeiterfamilien, andererseits räumt das Museum den Entstehungsgeschichten bedeutender Erfindungen viel Raum ein. Und schliesslich werden Besucherinnen und Besucher aufgefordert, sich über die Auswirkungen von Digitalisierung und Robotik in der zukünftigen Arbeitswelt zu äussern.

Wie fühlte es sich an, während des 20. Jahrhunderts als Patron ein Unternehmen zu führen? Wie wurde die Belegschaft geleitet? Was wurde wie produziert? Und wie sah der Alltag Zuhause mit Bediensteten aus? Auf diese und zahlreiche andere Fragen findet man im Ausstellungsteil über das Leben und Wirken der «Fabrikbarone» Antworten.

Einem Wechselbad der Gefühle gleich kommt der Rundgang durch die Welt der Arbeiterfamilien: Hier fühlen sich die Besuchenden schlagartig in einen absolut harten Alltag versetzt – mit 15-Stunden-Arbeitstagen, zum Teil unmenschlichen Anstellungsbedingungen, knapper Entlöhnung und beengten Wohnverhältnissen auf dem Fabrikgelände. Die Ausstellung macht deutlich, wie sich die Arbeiterklasse im Aargau organisierte, wie sie sich unermüdlich bessere Bedingungen, insbesondere für Kinder, erkämpfte und welche gesellschaftlichen Meilensteine trotz allem gesetzt werden konnten.

Gewissermassen der Urknall im Bäckereigewerbe: der Prototyp der Teigknetmaschine.

Gewissermassen der Urknall im Bäckereigewerbe: der Prototyp der Teigknetmaschine.

Der spektakuläre Spiegelsaal in der Industriehalle zeigt über 150 Objekte, die der Kanton Aargau im Laufe der Industrialisierung hervorgebracht hat. Erstaunlich, wie viele bekannt Erfindungen, von denen wir alle heute noch profitieren, aus dem Aargau stammen. Die Alufolie, die Teigknetmaschine und der gewürfelte Zucker wurden bereits erwähnt. Doch auch die Skibindung, der Bleistiftspitzer und die elektrische Zahnbürste fanden ihren Ursprung in diesem Kanton. Die Ausstellung verweist mit den Objekten ebenfalls auf das Zeitalter der Massenproduktion und der Ökonomisierung des Lebens. Klar hervorgehoben wird das damals wie heute noch geltende Credo von Schnelligkeit und Zeitersparnis.

Die Sonderausstellung «Von Menschen und Maschinen» thematisiert jedoch nicht nur die Vergangenheit sondern wirft im Trend-Raum und der «Arena» auch einen Blick in die Zukunft. Wie werden sich Digitalisierung und Robotik auf unsere heutige Arbeitswelt auswirken? Welches Umfeld begünstigt den technologischen Fortschritt? Ist eine Wirtschaft ohne Wachstum überhaupt möglich? Und wird sich etwa das coronabedingte Homeoffice langfristig durchsetzen? Diese und weitere Fragestellungen werden in der Ausstellung vertieft. Besucherinnen und Besucher können dazu ihre Meinung kundtun, analog oder digital.

Die Ausstellung des Museum Aargau über den Kanton Aargau als industrielles Schwergewicht ist noch bis zum 31. Oktober geöffnet – mit Geschichten von kleinen, familiengeführten Firmen und international aktiven Unternehmen, unzähligen Ausstellungsobjekten und spannenden Anekdoten.

www.museumaargau.ch/menschen-und-maschinen

www.aargautourismus.ch